Mit der zunehmenden Ausdehnung der Multimedia-Spielwiese des Internet, des World Wide Web, werden auch immer mehr Bilder und Klänge eingesetzt. Was Zeitschriften und Radiostationen recht ist, nämlich Informationen zu bebildern oder mit Musik zu umrahmen, ist für Anbieter im Web nur billig. Zu billig offensichtlich. Die Klagen über die Mißachtung des Copyrights häufen sich, das intellektuelle Eigentum scheint im Netz nicht viel zu gelten.

Jetzt aber beginnen sich einige Urheberrechtsbesitzer zu wehren. Im Juni 1997 gab der amerikanische Playboy bekannt, daß seine Online-Bilder nun durch ein Verfahren der Firma Digimarc geschützt würden. Die Photos erhielten eine nicht sichtbare Kennzeichnung, ein sogenanntes Wasserzeichen. Der Hintergrund dieser Entscheidung: Die Bilder des Playboy erfreuen sich großer Beliebtheit. Eigentlich sind sie nur zahlenden Abonnenten zugänglich, aber digitale Kopien von ihnen kursieren in den einschlägigen Nachrichtengruppen des Internet mit Namen wie alt.binaries.pictures.erotica.centerfolds.

Das Wasserzeichen soll nun sicherstellen, daß sich unerlaubte Kopien von Bild- und Tondokumenten identifizieren lassen und sogar automatisch auffindbar werden. Bisher ist das praktisch unmöglich: Ob sich auf einem öffentlich zugänglichen Netzrechner in der Datei dingdong.wav eine bestimmte geschützte Sounddatei verbirgt, kann die herkömmliche Software nicht zuverlässig ermitteln. Mit den gängigen Methoden läßt sich nur herausfinden, ob zwei Dateien vollkommen identisch sind. Schon bei minimalen Veränderungen scheitert die Software.

In dieser Situation erscheint eine eindeutige Markierung wünschenswert. Der Vatikan versieht seine Online-Photos mit sichtbaren, durchscheinenden Wasserzeichen, die von IBM entwickelt wurden. Die Firma Kodak bietet für ihr Photo-CD-Format ebenfalls die Möglichkeit einer sichtbaren Kennzeichnung. Die Musikindustrie stellt meist keine ganzen Stücke, sondern nur Ausschnitte zur Verfügung. Solche Verfahren sind angemessen, wenn nur ein Eindruck des Werks vermittelt werden soll. Das grundlegende Problem lösen sie jedoch nicht.

Das ideale Wasserzeichen hinterläßt keine Spuren, es ist weder sicht- noch hörbar. Es muß Veränderungen widerstehen, etwa dem Formatwechsel eines Bildes von GIF- zu JPEG-Codierung. Außerdem soll die Markierung in verschiedenen Medien wirken: Ein Stück Musik, das über den Äther kommt, soll die gleichen Merkmale enthalten wie sein Gegenstück, welches über das Modem auf die Festplatte tröpfelt. An der Lösung dieser Probleme wurde in den letzten zwei Jahren verstärkt getüftelt. Die ersten Ergebnisse werden jetzt praktisch umgesetzt.

Das Funktionsprinzip der Wasserzeichen nutzt die mangelnde Unterscheidungsfähigkeit der menschlichen Wahrnehmung. Geringfügige Abstufungen der Helligkeit entgehen dem menschlichen Auge. Das Ohr kann auf ähnliche Weise getäuscht werden: Zwei Schallwellen, die zeitlich nahe genug aufeinanderfolgen, nimmt das Gehör als eine wahr.

Was der Betrachter nicht sieht und der Hörer nicht bemerkt, kann jedoch der Computer auswerten. So lassen sich durch feine Abstufungen oder Verschiebungen die eigentlichen Bild- und Toninformationen mit weiteren Angaben, zum Beispiel Copyright- oder Eigentümervermerken, verweben.