Der Block von der Größe eines Schuhkartons besteht aus Aluminium, doch die Fräsmaschine gestaltet ihn, als handele es sich um Butter. Gleißend spritzen die Späne auseinander, und im Nu entsteht ein kompliziert geformtes Teil. Sechs robuste, meterlange Teleskoparme treiben den Fräskopf über den Metallblock - Kraft pur, und dennoch fräst das Werkzeug flink und präzise. Eingekapselt ist das Ganze in ein zyklopisches Stahlgehäuse, das in Weiß und Blau gehalten ist und nach Weltraumtechnik aussieht.

Hier sind technische Pioniere am Werk, und was sie ausprobieren, könnte in Zukunft von enormer wirtschaftlicher Bedeutung sein. Das Gerät, das in einer Maschinenhalle der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen (RWTH) steht, ist ein Vorbote der kommenden Generation von Werkzeugmaschinen. Die Hardware dieses Exemplars kommt von Ingersoll (USA), die Steuerung von Siemens.

Auch solche Maschinen werden fräsen, drehen, schleifen oder bohren, aber fünf- bis zehnmal schneller als bisher und vor allem in höherer Qualität. Ein Beispiel für Innovation.

Innovation? Sind Werkzeugmaschinen nicht eher ein Gruß aus industrieller Vergangenheit, verölte Fremdkörper in der Wissens- und Dienstleistungswelt?

Mitnichten. Wer die postindustrielle Wirtschaft für eine Ansammlung von Handys und Bürocomputern hält, muß etwas mißverstanden haben. Auch in Zukunft werden Sachen produziert. Und dafür braucht der Mensch - mehr denn je! moderne Werkzeugmaschinen. Unter diesen Begriff fallen alle automatisierten Apparate, "die durch relative Bewegungen zwischen Werkzeug und Werkstück eine Form erzeugen" (amtliche Definition, DIN 69 651), und damit ist nicht die gute alte Hobelbank im Hobbykeller gemeint, sondern ein Gerät, das voller Intelligenz steckt. Werkzeugmaschinen bilden das Rückgrat so dynamischer Produktionszweige wie Maschinenbau und Automobilindustrie - um nur zwei zu nennen. Wer bei Werkzeugmaschinen führt, hat auch in anderen Disziplinen des globalen Konkurrenzkampfes gute Chancen.

Weltweit führt Japan. Sowohl beim Produktionsvolumen als auch beim Export (merke: Die Finanzwelt ist wichtig, sie ist aber nicht die ganze Welt). Und gleich hinter Japan kommt Deutschland, das technisch außerdem die Spitze behauptet.

Damit der technische Vorsprung auch erhalten bleibt, arbeiten Universitätsinstitute und Firmen an neuen Maschinentypen, namentlich an Hochleistungsmaschinen. Hier sind vor allem die Universität Hannover, die Technische Universität Darmstadt und eben die RWTH zu nennen; Bonn und die Industrie unterstützen deren Forschung, und in diesen Tagen beginnt ein einschlägiges "Schwerpunktprogramm" der für Grundlagenforschung zuständigen Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) - immerhin das einzige ingenieurwissenschaftliche Programm, das die DFG für 1998 genehmigt hat.