Verteidigungsminister Volker Rühe führt die Bundeswehr jetzt in ein großes Ablenkungsmanöver: Die jungen Rekruten sollen wieder wie einst den öffentlichen Raum besetzen, um dort zu geloben, daß sie treu dienen und das Vaterland tapfer verteidigen werden. Mit einem historischen Salto rückwärts verteidigt er zugleich die Ehre des Feldmarschalls Erwin Rommel und des Obersten Johannes Steinhoff als untadelige Soldaten in Hitlers Wehrmacht.

Beide brauchen die Ehrenerklärung nicht. Aber Rühe kann ihre Namen derzeit gut gebrauchen, einmal, um den Pauschalvorwurf zu entkräften, die ganze Wehrmacht sei eine Verbrecherbande gewesen und zum anderen, um durch dieses Beispiel einen anderen "Generalverdacht" abzuwehren: die von Rühe selbst in die Welt gesetzte Behauptung abzuwehren, die Bundeswehr sei eine rechtsradikale Organisation.

Mag sein, daß ein paar linke Spinner so reden. Ganz gewiß aber ist die Bundeswehr sowenig rechtsradikal, wie die einstige Wehrmacht ein Millionenheer von Verbrechern war. Welcher ernstzunehmende Mensch würde das auch behaupten? Gleichwohl taugt das Pauschalurteil über die Soldaten von einst noch immer als Totschlagargument wie der unterstellte Generalverdacht gegen die Soldaten von heute auch: Man schütte das Kind nur mit dem Bade aus.

Dabei steht durchaus fest, daß es in der Wehrmacht organisierte Verbrechen gab und daß es in der Bundeswehr Rechtsextremisten gibt. Dies ist schmerzlich. Doch peinlich wird es, wenn ein Verteidigungsminister sich auf die Helden von gestern berufen muß, um den Spinnern von heute Paroli zu bieten.