Italiens Postbeamte freuen sich derzeit über jeden Postsack, der ihnen in die Hand gerät. Da die zur äußersten Sparsamkeit angehaltene Verwaltung nicht mehr für Nachschub sorgt, ist dieses traditionsreiche Transportmittel zur Mangelware geworden. Gewerkschafter beklagten bereits, daß sich in einem großen norditalienischen Verteilzentrum die Postler um die Säcke streiten.

Denn ohne Sack keine Sortierung. Kein Wunder also, daß die ohnehin nicht gerade pfeilschnelle Postzustellung Italiens durch den akuten Sackmangel noch eine Spur langsamer geworden ist. Jedenfalls fällt auf, daß die Postzustellung diesmal eine etwas längere weihnachtliche Verschnaufpause machte als sonst üblich. Ganz versackt ist sie aber nicht.

Denn die Italiener sind nicht nur geübt im Improvisieren, sondern auch gute Europäer. Inzwischen gingen nämlich viele britische Postsäcke auf eine lange und außerplanmäßige Reise über die italienische Halbinsel. Was man selber nicht hat, muß man sich eben anderweitig borgen. Das sind sie also, die Segnungen des Gemeinsamen Marktes.