Als das Kunsthaus Bregenz im Sommer '97 eröffnet wurde, gab es viel Lob für den Bau (ZEIT Nr. 32/97), aber die Frage nach der Nutzungsmöglichkeit als Ausstellungsort blieb noch unbeantwortet. In der ersten Einzelausstellung werden jetzt Bilder, Skulpturen und Zeichnungen von Per Kirkeby gezeigt.

Der dänische Künstler gilt als eine Art Allroundgenie: Als studierter Geologe hat er neben seiner künstlerischen Arbeit rund siebzig Bücher geschrieben, etwa zwanzig Filme gedreht und einige Privathäuser und Museen gebaut. Und baut weiter.

Sich zwischen den Gattungsgrenzen zu bewegen, ist für Kirkeby keine Frage von prinzipiellen Überlegungen. Aber trotz seiner frühen Ambitionen, zusammen mit einigen Mitstreitern im kleinen Dänemark der sechziger Jahre avantgardistische Ideen zu entwickeln, nimmt er, was den traditionellen Werkbegriff angeht, ganz bewußt einen konservativen Standpunkt ein. Er vermengt die einzelnen Gattungen nicht. Nur seine Backsteinarbeiten, die in einem Zwischenbereich zwischen Architektur und Skulptur angesiedelt sind, stellen vielleicht eine Ausnahme dar. Ihre besondere Form wurde für die Kunst im öffentlichen Raum, die sich seit langem in einer Sackgasse befindet, richtungweisend. Sie gehören zum Wichtigsten im Werk von Kirkeby, sind aber nicht transportabel.

Auch wenn er einige temporäre Backsteinarbeiten für Ausstellungen gemacht hat, fehlt in jeder Werkschau von Kirkeby damit ein zentraler Punkt. In Bregenz hat man diese Lücke auf zweierlei Weise zu füllen gesucht: einmal, indem man neben einem Katalog ein Werkverzeichnis aller bisher entstandenen Backsteinskulpturen und -architekturen herausgegeben hat, zum anderen, indem man in der Ausstellung selbst mit einer Reihe von Bronzemodellen und Architekturzeichnungen daran erinnert. Die großformatigen und vielfach auch mehrfarbig gestalteten Zeichnungen treten jetzt in der Ausstellung den Beweis an, daß diese so strenge und spröde Architektur durchaus funktionstüchtig ist.

Die Modelle aber nehmen im Werk von Kirkeby eine Schlüsselstellung zwischen den extremen Polen Expression und Konstruktion ein. Sie sind deshalb in der Ausstellung auch richtig zwischen den großen Bronzen im Erdgeschoß und den Bildern in den oberen Stockwerken plaziert.

Diese sogenannten Modelle dienen weder der Formfindung noch -vermittlung, sondern der Überprüfung eines Bauplans: Wenn sich der Tonklumpen in den Händen des Künstlers ohne jeden Einbruch in die gewünschte Form bringen läßt, dann funktioniert das auch im Großen. Für Kirkeby ist das "wie ein Stück Luft ausschneiden und als Masse handhaben".

Auf dieselbe Weise im direkten Kontakt mit den Händen wachsen auch die Formen für die großen Bronzen. Skulpturen sind für Kirkeby "Formen und räumliche Flächen", Volumen und Hohlform, Licht und Schatten. Aber auch wenn diese im Kleinen funktionieren, so verlieren sie mit wachsender Größe doch, anders als die Backsteinskulpturen an innerer Notwendigkeit. Die zwischen amorph und anthropomorph, zwischen Abstraktion und Figur schwankende Gestaltung bringt weder im eigenen Werk noch in der Kunst allgemein einen neuen Aspekt.