Bernard-Henri Lévy, Jahrgang 1948, wurde mit seinem Essay "Die Barbarei mit menschlichem Antlitz" vor zwanzig Jahren berühmt. Die Grausamkeiten dieses Jahrhunderts, ob sie nun Nazismus oder Stalinismus heißen, im Krieg oder Bürgerkrieg in Ruanda, Bosnien oder in Algerien begangen wurden, ließen den Pariser Schriftsteller, Dokumentarfilmer und Medienliebling nicht wieder los. Dem Elegant von Saint-Germain-des-Prés ist eine gewisse Theatralik im Auftritt nicht fremd, er übermalt manches Portrait zum Selbstportrait, inszeniert manch guten Gedanken bloß für den großen Auftritt. Me voilà!

Ende der achtziger Jahre verkündete Bernard-Henri Lévy den Tod des Intellektuellen - und demonstrierte zugleich dessen (letzte?) Metamorphose in der Medienwelt, ins Heldentum der Hauptsendezeit. Lévy wurde selbst zum Beispiel dieser Verwandlung: Seinen Dokumentarfilmen aus Bosnien wurde das Engagement hoch angerechnet und die Eitelkeit zum Vorwurf gemacht. Wie viel zurückhaltender wirkt dagegen vorliegende Recherche vom Tatort Algerien, die vergangene Woche in Le Monde erschienen ist und die wir hier gekürzt veröffentlichen.