HipHop heißt das internationale Lebensgefühl, Deutsch-Rap ist seine einheimische Variante, die Musik einer Jugend in der Zeit nach dem Mauerfall, die sich ein Leben ohne Bundeskanzler Kohl nicht vorstellen kann. Motto: Alles geht, schade niemandem, habe Spaß!

Es sei eine Legende, daß Rap-Musik nur zwischen brennenden Öltonnen in amerikanischen Schwarzen-Ghettos entstehen könne, sagt Udo Dahmen, Professor für Populärmusik in Hamburg, der einst bei der Deutschrock-Band Fehlfarben mitspielte. Rap verkaufe sich einfach besser, wenn er als Untergrundgemurmel aus den Kriegszonen der Großstädte daherkomme. Dabei seien Puff Daddy und andere Rap-Stars in den USA Wohlstandskinder aus den Vorstädten wie die beiden von Kinderzimmer Productions.

Henriks und Saschas zweite LP heißt "Im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit". Zu sogenannten "Samples", digitalisierten Versatzstücken aus anderer Leute Musik, reden sie über ihr Leben zwischen den Reihenhäusern und vom Müll, den sie für Mami raustragen. Nebenbei zitieren sie von "High Noon" über die "Glorreichen Sieben" bis zu "Hänsel und Gretel" alles, was das erwachsene Fernsehkind der Neunziger so kennt. Dabei erzählen Kinderzimmer Productions in ihren Liedern keine einfach gestrickten Geschichten, sondern lassen ihren Assoziationen freien Lauf.

Der Erfolg gibt ihnen recht. Immer mehr Moderatoren spielen Songs von Henrik und Sascha. Bei Spex kamen sie einmal sogar auf den zweiten Platz einer Monatsrangliste. Schon verhandelt die Band mit einer großen Plattenfirma.

Freitag nachmittags treffen sich Henrik und Sascha vor den Garagen in Ulm-Söfling mit dem erweiterten Bandkreis. Der 32jährige Schlagzeuger Jürgen Schlachter ist da, der Abmischer Bruno Rivetti packt die Ausrüstung in den geliehenen Kleinbus. Der Manager Martin Lindner vom Ulmer Plattenladen Sound Circus gleicht auf der Landkarte die Route mit den Hinweisen des Veranstalters ab. Er hatte der Band die erste LP vorfinanziert. Klaus Brandenburg, junger Ulmer Rapper wie Henrik, will demnächst seine eigene Rap-LP rausbringen und ist als "Live-Support" dabei: Er unterstützt den ersten Sänger auf der Bühne, damit diesem nicht die Puste ausgeht. Jetzt macht er ein paar Witze, bevor er einsteigt. Jeder bietet an, hinten zu sitzen.

Auf der Fahrt ins fränkische Weikersheim sprechen sie im Bus über die USA, über Crack, das kaum noch einer nehme, die Polizei und das harte Durchgreifen der Cops, wenn man in New York City schwarzfährt. In Übersee war noch keiner der sechs.

Sascha schläft die meiste Zeit - das Studium, seine Freundin und vor allem KZP, wie sich Kinderzimmer Productions abkürzen, rauben ihm die Kraft. Der Manager fährt, Klaus liest ein Männermagazin, Henrik regelt die Temperatur im Bus. Jürgen erzählt von Erlebnissen beim Bau seiner Wohnung. Auch er ist müde.