BONN. - Elf Länder wollen der Europäischen Union beitreten. Da sie aus unterschiedlichen Gründen nicht alle gleichzeitig Mitglied werden können, kommt der Heranführungsstrategie eine große Bedeutung zu. Der Europäische Rat hat dazu im Dezember erste wichtige Entscheidungen getroffen. So soll zum Beispiel die finanzielle Unterstützung für alle Beitrittskandidaten deutlich ausgeweitet werden.

Eine europäische Institution - das Europäische Parlament - ist aber bei den Überlegungen über die Heranführung fast völlig unbeachtet geblieben. Das ist bedauerlich. Meiner Ansicht nach sollte allen Kandidaten die Möglichkeit eingeräumt werden, mit der Wahl zum Europäischen Parlament im Sommer 1999 Beobachter zu entsenden. Diese Beobachter sollten das Recht erhalten, in allen Gremien des Parlaments gleichberechtigt mitzuarbeiten, und auch entsprechend mit Büros und Mitarbeitern ausgestattet werden. Davon ausgenommen wäre natürlich das Recht, an den Abstimmungen teilzunehmen. Ein Beobachterstatus für die assoziierten Länder Ostmitteleuropas könnte drei positive Folgen haben:

Erstens: Alle Beitrittskandidaten, die noch nicht an den Verhandlungen teilnehmen können, erhielten ein klares Zeichen, daß sie dazugehören und ihre Mitgliedschaft erwünscht ist. Sie ist nur eine Frage der Zeit, die vor allem von eigenen Leistungen abhängig ist.

Zweitens: Die Beobachter könnten durch ihre Mitarbeit in den europäischen Gremien wichtige Erfahrungen über das Funktionieren der EU gewinnen und damit einen Beitrag zum notwendigen Wissenstransfer in ihre Heimatländer leisten.

Das wiederum würde zu realistischeren Erwartungen führen und die Herausforderungen an die eigene Politik in den assoziierten Ländern verdeutlichen.

Drittens: Durch die gleichberechtigte Mitarbeit in den Ausschüssen und Gremien des Parlaments könnten die Beitrittskandidaten die differenzierte Wirklichkeit in ihren Ländern authentisch in die Diskussionen des Europäischen Parlaments einbringen.

Die Zahl der Beobachter sollte je nach Bevölkerungszahl in drei Kategorien festgelegt werden. Die größeren Länder Polen und Rumänien erhielten beispielsweise fünfzehn Beobachter, die mittleren wie Ungarn zehn, die kleineren wie die baltischen Staaten fünf. Insgesamt wären dies 95 Beobachter aus Zypern, Mittel- und Osteuropa.