Gewiß, auch er gehört zu der überaus langlebigen politischen Klasse Westberlins: Ulrich Eckhardt, der jetzt sein 25jähriges Dienstjubiläum als Leiter der Berliner Festspiele begeht - aber diese Kontinuität war (und wird sein) ein Glücksfall für die Stadt. Welch ein Bogen zudem: Beauftragter der 750-Jahr-Feier und Beauftragter für die Millennium-Feier. Auch der nüchternste Rückblick führt zur Laudatio: ein erfolgreicher Kulturmanager, der nie verfilzte ein Experte der Geldbeschaffung, der auch in Zeiten des Sparzwangs nicht zum larmoyanten Besitzstandswahrer wurde ein Mann der Öffnung, sowohl zum Osten als auch zur deutschen und Berliner Geschichte. Er hatte nicht nur Gespür für die richtigen Themen, sondern auch für ihren richtigen Zeitpunkt. Viele der Festwochen-Ausstellungen definierten Wendepunkte im Selbstverständnis der Stadt: 1981 die Preußenausstellung, 1983 der Ost-West-Dialog, die Kunst der Russischen Revolution, 1992 Jüdische Lebenswelten, 1995 Berlin-Moskau und jetzt, als Krönung, die "Deutschlandbilder", die kritische Revision eines geteilten Landes, ein Plan, der schon vor der Wende entstand. Allergisch gegen alles Provinzielle, machte er längst vor dem Mauerfall die Kulturpolitik der mitteleuropäischen Metropole Berlin. Die Musik- und Theaterprogramme waren nie nur "Events", sondern immer auch Recherchen nach den europäischen Wurzeln der Stadtkultur.

Eckhardt, ein Kulturpolitiker mit dem Blick für das politische Potential der Kultur, ein Diplomat mit strategischem Durchsetzungsvermögen, besticht durch Fairneß. Er ist republikanisch gesinnt, ohne je selbstgerecht zu sein. Sein jungenhafter Charme verbindet sich mit einer Zuwendung zu Künstlern im Schatten, seinerzeit zu Ostberliner Malern. Westliche Arroganz haßt er, die westliche Zivilisation lebt er - ein Mann, der eine gute Figur macht, nicht nur in, sondern auch für Berlin.