Heinz Dieter M. tritt auf, wie sich der Städter den honorigen Landmann und Jäger vorstellt: Runder Kopf, ebensolche Nase, ein kariertes Hemd spannt sich über dem Bäuchlein, und die Füße stecken in gefütterten Gummistiefeln.

Doch von der Landwirtschaft kann Herr M. schon lange nicht mehr leben. Auf den Märkten der besseren Hamburger Vororte verkauft er darum Gemüse, Geflügel und Wild - direkt vom Erzeuger, so wirbt er.

Im November 1996 sahen Gewerbeaufsicht und Polizei auf dem Hof des 53jährigen Landmanns nach dem Rechten. Die Folge: elf Anklagepunkte. Vom Fleischhygiene- bis zum Tierkörperbeseitigungsgesetz hat Herr M. neun Paragraphenwerke verletzt - die mißachteten Verordnungen noch gar nicht mitgezählt.

Angesichts der Photos bleibt selbst dem altgedienten Richter "glatt die Spucke" weg: "Bei dem Schweinkram kommt mir ja das Frühstück wieder hoch."

Heinz Dieter M. kennt seinen Richter und weiß: Ausflüchte und Widerspruch mag der gar nicht dann wird es im kleinen Amtsgericht in Bad Segeberg schnell ungemütlich. So seufzt der Angeklagte nur gottergeben und trägt gesenkten Hauptes eine Bitte vor: "Hier sitzen alles Leute aus'm Dorf, muß das denn sein?" Es muß, entscheidet der Richter.

An Führerschein- und Eheproblemen liege es, murmelt M., daß er auf seinem Anwesen den Überblick verloren habe. Näher möchte er sich angesichts der lauschenden Dorfgemeinschaft nicht äußern. Die Gewerbeaufseher hatten sich bei ihrem Besuch gleich am Eingang des Hofes an Jauchepfützen vorbeidrücken müssen und dann mehrere Abfallhalden entdeckt. Ein wenig Sondermüll lagerte ausgerechnet zwischen den Gemüsevorräten: Altöleimer, Asbestplatten. Aus einem rostigen Faß sickerte Bitumen die Kartoffelmiete ruhte auf einer Lache vom letzten Ölwechsel.

Aber es kam schlimmer: in der Schlachtstube. "In dem gammeligen Zeug schwimmen ja Würste", graust es dem Staatsanwalt, der die ganze Pracht zum ersten Mal auf Photos sieht. Sie zeigen einen dreckverschmierten, blutverkrusteten Raum, übersät mit Zigarettenkippen - dazwischen das Fleisch.