Vor einiger Zeit hat die zweite Herrenmannschaft des SV Heidgraben, Tabellenletzter der sechsten Kreisklasse in Hamburg, gegen Friedrichsgabe mit 0 : 11 verloren, und es stellte sich die Frage: Was würde der Trainer dazu sagen?

Würde er schimpfen? Den Schiedsrichter kritisieren, den Gegner, die eigene Mannschaft? Über Verletzte klagen und über den Verlust seines Torhüters, der zu Beginn der Saison bei der Bundeswehr antreten mußte?

Nichts davon. Der Trainer lobte den "Sportsgeist" seiner Mannschaft, tröstete den neuen Torwart ("Seine Zeit wird kommen") und wies darauf hin, daß es mit dem SV Heidgraben unverkennbar aufwärtsgehe - in Friedrichsgabe beispielsweise habe man im Hinspiel noch 23 Tore kassiert.

Nun darf sich der Mann, trotz null Punkten und 17 : 225 Toren aus 22 Spielen, ein gewisses Maß an Sorglosigkeit erlauben, denn aus der sechsten Kreisklasse kann seine Mannschaft nicht absteigen. Dennoch: Seine Haltung erscheint uns vorbildlich, und es gibt Anlaß, darauf hinzuweisen. Denn dieser Tage ruft Bundesarbeitsminister Blüm auf zum Kampf "gegen miesmacherische Quengeleien".

Es habe sich, so klagt der Minister, hierzulande "die neudeutsche Larmoyanz" breitgemacht.

Auch wenn Blüm bei seiner Mahnung möglicherweise gar nicht an den SV Heidgraben gedacht hat, wird er sich doch kaum mißverstanden fühlen, wenn wir ihn so interpretieren: Man möge sich, statt über die Arbeitslosigkeit zu quengeln und den Wirtschaftsstandort mieszumachen, ein Beispiel an dieser tapferen kleinen Fußballmannschaft nehmen.

Denn Grund zu hoffen ist doch stets, sei es, weil es schlimmer hätte kommen können, sei es, weil es nur besser werden kann. Was hätte man früher, beispielsweise, gezittert und gezetert bei der Nachricht, im fraglichen Jahr würden in Deutschland in jeder zweiten Branche noch mehr Arbeitsplätze wegfallen. Und das bei über zwei Millionen Arbeitslosen! hätte es geheißen.