DIE ZEIT: Dreizehn Jahre nach dem Beginn des Privatfernsehens steht die Branche an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter: dem digitalen Fernsehen.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die TV-Landschaft ändern?

ERNST BENDA: Sie wird sich sehr langsam und sehr mühsam ändern. Wesentlich langsamer jedenfalls, als es sich diejenigen, die den Einstieg begonnen haben, wohl ursprünglich vorgestellt haben. Das neue Digital-Unternehmen Premiere geht jetzt selber davon aus, daß die für den wirtschaftlichen Betrieb notwendige Abonnentenzahl von drei Millionen kaum vor dem Jahr 2003 erreicht sein wird.

ZEIT: Auch das Privatfernsehen hat eine Weile gebraucht, bis es sich etabliert hat. Aber beim Start hat man sich immerhin bemüht, möglichst viele Anbieter und Programme zu berücksichtigen. Das digitale Fernsehen startet gleich mit einem Monopol. Hat die Medienpolitik da versagt?

BENDA: Die Medienpolitik hat das Thema erst vor kurzem bemerkt. Die Ministerpräsidenten, die das neue Fernsehen im geltenden Staatsvertrag noch nicht berücksichtigen konnten, müssen sich nun damit auseinandersetzen. Das Bedenkliche dabei ist, daß man wohl im Hinblick auf den Wahlkampf, der uns 1998 bevorsteht, nur die Zeit bis zum Frühjahr hat. Aber ich bin skeptisch, ob bis dahin diese schwierige Sache geregelt ist. Hinzu kommt, daß das Zusammengehen von Kirch und Bertelsmann bei Premiere jetzt in Brüssel liegt (siehe Kasten). Dieses Konzentrationsvorhaben wird außerdem von der gerade erst vor einem Jahr gegründeten Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, kurz KEK, geprüft.

ZEIT: Was empfehlen Sie denn der Politik?

BENDA: Man wird die Entscheidung von Brüssel abwarten müssen. Auf jeden Fall ist digitales Fernsehen nicht nur Abonnementsfernsehen von Kirch und Bertelsmann. Zunächst ist es nur eine neue Technik.