Von Ekkehard Schulz war immer schon mal die Rede, wenn es um die Spitzenposition im neuen Ruhrkonzern Thyssen-Krupp ging. Der Vorstandsvorsitzende von Thyssen Krupp Stahl wurde als Alternative zu Krupp-Chef Gerhard Cromme und dem obersten Thyssen-Angestellten Dieter H.

Vogel gehandelt. Doch nun kommt alles ganz anders - Cromme und Schulz sollen den neuen Konzern als "Doppelspitze" führen. Wenn diese Gewaltenteilung nicht schiefgehen soll, dann müssen sich allerdings beide bei dem zurückhalten, was man den Glamour der Macht nennen könnte. Und so sind Menschen, die in Spitzenpositionen drängen, selten gestrickt.

Heinz Kriwet, der als Erfinder dieser Konstruktion gilt, ist sich über deren latente Zerbrechlichkeit natürlich im klaren. So hat der Thyssen-Aufsichtsratsvorsitzende von vornherein der Versuchung widerstanden, Cromme und Vogel gemeinsam vor den Karren zu spannen. Nach Crommes Versuch, Thyssen im Wege einer "feindlichen Übernahme" zu schlucken und seinen einstigen Duzfreund Vogel damit arbeitslos zu machen, ist das Klima zwischen den beiden zu sehr vergiftet.

Mit Cromme und Schulz, so hofft Kriwet, kann es hingegen klappen. Ihm blieb wohl auch keine andere Wahl. Berthold Beitz, der mächtige Mann bei Krupp, wollte auf seinen Kandidaten Cromme nicht verzichten. Dabei geht es Beitz vermutlich um mehr als um den Chefposten im neuen Konzern. Den Krupp-Verweser drückt seit langem die Sorge, wer denn die Krupp-Stiftung führen soll, wenn er einmal nicht mehr ist. Dabei denkt er vor allem an Cromme. Und wenn der bei der Fusion mit Thyssen leer ausgehen und zu einem anderen Konzern abwandern würde, wäre er auch für die Stiftung verloren.

Auf der anderen Seite steht die Thyssen-Belegschaft, die zu Cromme ein ähnlich gespanntes Verhältnis hat wie ihr amtierender Chef. Vogel hatte ihnen mit Erfolg eingeredet, die Übernahme durch Krupp werde "Zehntausende von Arbeitsplätzen" kosten - seitdem ist Cromme für Thyssen-Leute ein rotes Tuch.

Es gilt also, ihnen einen Mann ihres Vertrauens zu präsentieren. Das hätte natürlich Vogel sein können, was freilich mit den Vorstellungen von Beitz kollidieren würde. So hat man sich auf Schulz verständigt, der bei Thyssen hohes Ansehen genießt.

Konflikte zwischen Cromme und Schulz über ihre Zuständigkeiten wird auch eine ausgefeilte Geschäftsordnung kaum verhindern können. Und schon gar nicht wird sich vermeiden lassen, daß sich ehemalige Thyssen-Leute bei Schulz über Cromme beklagen und verbitterte Kruppianer bei Cromme Schutz vor Schulz suchen. Da kommt es darauf an, daß jeder die Kompetenzen des anderen wahrt.