Es gibt nüchterne und geheimnisvolle Buchtitel, vielsagende und verräterische, mehrdeutige und zweideutige. Dieses Buch hat einen eindeutigen.

Und der ist eindeutig falsch. Das ist zum einen deswegen besonders bedauerlich, weil der amerikanische Originaltitel schön und einfach "Lying in Bed" heißt, und zum anderen, weil damit - "im Bett liegen" - dem deutschsprachigen Leser das Beste an diesem Buch vorenthalten wurde.

Die Sache ist nämlich die, daß uns hier von einem langen, langen Abend berichtet wird - der Stundentakt liefert die Kapiteleinteilungen -, an dem der Ich-Erzähler, von einigen Reminiszenzen abgesehen, eben gerade nicht mit Clara im Bett liegt. Sie ist nämlich ausgegangen, ohne ihn und ohne zu sagen, wohin, und da sie immerhin seine Ehefrau ist, macht ihn das unruhig.

Clara hat übrigens ein kleines Geschäft für Quilts, und John, das ist unser Held, hat geerbt, und zwar genug. Er muß nicht arbeiten und will auch nicht.

Früher hat er einmal Geige gespielt, aber weil er es nicht bis zu Bachs Chaconne gebracht hat, hört er heute nur noch CDs, nicht die schlechtesten allerdings (aber muß immer ausgerechnet Glenn Gould dabeisein?).

Außerdem hat er Rhetorik studiert, und das hat ja nun nicht jeder. Geblieben sind ihm davon nur eine Unzahl von Fremdwörtern, deren ständiger Gebrauch ihn wohl als einen dem Leben entwichenen seltsamen Vogel charakterisieren soll, vor allem aber den Leser immer wieder nötigt, im Fremdwörterlexikon nachzuschlagen. Oder wissen Sie, was - eine kleine Auswahl - das ist: aphotisch, diözisch, Aprosexie, heteroklit, lordotisch? Ein anomales Antonym?? Eben.

Macht aber nichts. Man liest darüber ebenso hinweg wie über die ständigen Nietzsche-, Strindberg- oder Dostojewskij-Zitate. Folgendes Doppel-Zitat aber muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Er zitierte gern Wittgenstein mit dem Goethezitat: ,Am Anfang war die Tat'." (Nicht übel, was?)