Wo bleibt das Positive? Oh, warten Sie, dafür ist der Herr Rüttgers in Bonn zuständig, vom BMBF oder BMW oder BRRMPF oder wie das heißt.

"Deutschland ist auf dem Weg, ein High-Tech-Land zu werden", mit diesen Worten stellte Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers am vergangenen Freitag eine Studie vor, der zufolge die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf den Märkten für technische Produkte zunimmt. Eine gute Nachricht für alle, die davon profitieren können, zumal für einen CDU-Minister, der sich besonders im Wahljahr als Mann der Zukunft versteht.

Indes, wir lesen in der Studie auch: Der Anteil der Bildungsausgaben am Inlandsprodukt ist seit 1993 gesunken, er liegt unterhalb des Durchschnitts der Industrieländer. Und der Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung am Umsatz deutscher Unternehmen sinkt gleichfalls.

Paradox? Keineswegs. Die Wirtschaft hat zwar Markterfolge erzielt und mehr Patente angemeldet, aber nur, weil sich die Unternehmen auf die Umsetzung bestehenden Know-hows konzentrierten. So sehen es jedenfalls die Verfasser der Studie und fordern, "neue Technologiefelder zu erschließen und zur Anwendungsreife zu bringen, auch wenn sich deren Früchte vermutlich erst in fünf bis zehn Jahren ernten lassen". Für eine nachhaltige Innovationsstrategie genügt es nämlich nicht, mal eben eine schnelle Mark zu machen. Wissenstransfer ist etwas anderes und verlangt den Mut, Geld für eine längere Zeit in riskante Ideen zu investieren: in das fallible Unternehmen Wissenschaft.

Leider verwendet die Studie die verbreitete Grobteilung in "Spitzen-" und "höherwertige Technologie", die sich nach dem Anteil der Forschungs- und Entwicklungskosten an den jeweiligen Produkten bestimmt. Danach sind Waffen und Insektizide Spitze, Werkzeugmaschinen hingegen nicht. Doch statt dessen muß gefragt werden: Was tut die Industrie, was der Staat, um die Entwicklung und Anwendung der enabling technologies zu fördern, also jener Techniken, die Innovationen erst anstoßen und möglich machen? Zu ihnen gehören Prozessoren, Mikrosysteme, Laser, Bildverarbeitung, Mensch-Maschine-Schnittstellen, Softwaretechnik - alles Treibsätze des Neuen.

Auf diesen Gebieten muß die Grundlagenforschung intensiviert werden. Dabei könnte ein Zukunftsminister helfen. Doch er war es ja, der öffentlich schwieg, als sein Kabinett an der Zukunft sparte.