Zwei Meter hoch wird der Zaun sein, 150 Meter lang. Material: Stabgitter, grau lackiert. Kosten: 36 800 Mark. Im Februar wird der Zaun errichtet.

"Gymnasium soll hinter Gitter", schrieb empört die NRZ, die Neue Ruhr-Zeitung . Der Schulleiter Klaus Klopschinski findet das arg "dramatisiert". Aber es stimme schon: Das Essener Burggymnasium müsse sich vor der Drogenszene schützen, und das gehe jetzt nur noch mit einem Zaun.

Wie sehr sich die Junkies in jüngster Zeit am Burggymnasium breitgemacht haben, schildert Alfred Gramonisch, der Leiter des Essener Schulverwaltungsamts. Nicht nur, daß da rund um die Schule gebrauchte Spritzen und ausgebrannte Cola-Dosen herumlägen, in denen Heroin erhitzt wurde - immer mehr Drogensüchtige verlegten "den Handlungsort in die Schule".

Setzten sich ihren Schuß dreist auf Toiletten, beschmierten mitunter die Wände mit Blut, bedrohten Lehrer.

Das Burggymnasium ist nicht irgendeine Schule. Die Wurzeln des altehrwürdigen humanistischen Gymnasiums reichen bis ins 9. Jahrhundert, bis zur Gründung des Essener Stifts. Die Schule gilt als erste Adresse für die Sprößlinge der gebildeten Stände. Dabei hat sich das Gymnasium mit seinen 450 Schülern und 30 Lehrern einen familiären Charakter bewahrt. Drogen seien hier überhaupt kein Thema, betont Direktor Klopschinski, "und wir wollen auch nicht, daß es reinschwappt".

Ein frommer Wunsch. Das Burggymnasium liegt mitten in der City. Eben am Burgplatz, der zugleich der Schulhof ist. An dessen oberem Ende führt die Einkaufsmeile Kettwiger Straße vorbei, am unteren Ende begrenzt ihn eine achtspurige Hauptverkehrsader. An den Längsseiten säumen den Platz das Gymnasium und die Lichtburg, ein altes, großes Kino, gegenüber liegt das Essener Münster mit der Domschatzkammer und dem Sitz des Ruhrbischofs.

Der Burgplatz hat schon einiges erlebt. Den Nazis diente er als Aufmarschgelände. Anfang der achtziger Jahre sollte die Pflasterwüste zu einer echten Piazza werden, der Platz bekam ein völlig neues Gesicht.