Angesichts derartiger Relationen können Existenzgründer nur neidisch werden: Fast 700 000 Mark Zuschuß pro Arbeitsplatz erhalten die beiden Elektromultis Siemens und Motorola aus der Staatskasse. Konkret geht es um rund 450 Jobs, die eine auf einer neuartigen Technik aufbauende Chipfertigung in Dresden direkt bringen soll. Insgesamt rund 1,5 Milliarden Mark wollen die beiden Konzerne dort in die Erprobung einer ebenso revolutionären wie kostensparenden Halbleiterproduktion stecken 187 Millionen Mark davon will "Zukunftsminister" Jürgen Rüttgers aus dem knappen Forschungsetat beisteuern, für weitere 120 Millionen ist der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf gut. Siemens-Chef Heinrich v. Pierer zeigte sich dankbar und kündigte das Projekt, eingerahmt von den beiden CDU-Politikern, demonstrativ in Bonn auf der Bundespressekonferenz an. Schließlich hatten die Polithelfer vorab bei den kritischen Subventionswächtern in Brüssel den Weg freigemacht.

Alle sind zufrieden. Die Konzerne sparen Geld, Obersachse Biedenkopf kann auf weitere High-Tech-Jobs im Silicon Valley an der Elbe hoffen, und für den Zukunftsminister ist derartige Werbung im Wahljahr ohnehin unbezahlbar.

Neue Töne von Microsoft. Daß der Softwarekonzern im laufenden Kartellverfahren bisher viel zu aggressiv aufgetreten ist, hatten Beobachter schon länger kritisiert (siehe ZEIT Nr. 3/98). Jetzt geben die Manager des Unternehmens selbst zu, sie hätten sich im Ton vergriffen und damit dem Image des Unternehmens geschadet. In mehreren Interviews übten sie sich in Schadensbegrenzung: "Wir sind ein aggressives Unternehmen - und dafür entschuldige ich mich nicht. Aber es wäre unschön, wenn die Leute uns für ein brutales Unternehmen halten", meinte etwa Steve Ballmer, die Nummer zwei von Microsoft. Noch kürzlich hatte er gewettert, die Wettbewerbshüter in Washington könnten "ihm gestohlen bleiben". Und wo zuvor in Statements von "Schmierenkampagne" die Rede war, sagt Produktionschef Bob Herbold jetzt: "Wir müssen vor allem Respekt gegenüber dem Justizministerium und dem zuständigen Richter zeigen."

Die überraschende Interview-Kampagne brachte dem Unternehmen endlich wieder positive Schlagzeilen. Aber das "mea culpa" könnte schnell hohl klingen, wenn den Worten keine Taten folgen - und Microsoft auf den High-Tech-Märkten weiter als Krieger auftritt.

In der Sache bleibt der weltgrößte Softwarekonzern auch hart. "Wir müssen großen Respekt vor der Regierung zeigen", meinte Microsoft-Chef Bill Gates vergangene Woche in Las Vegas, "aber wir müssen ebenfalls sicherstellen, daß wir die Möglichkeit behalten, unsere Produkte zu erweitern."

Keine Regel ohne Ausnahme. Was lange währt, wird gelegentlich nicht nur gut, sondern sogar besser. Das gilt jedenfalls für den Verkauf der Wismarer Werft MTW. Monatelang hatte die Investmentbank Goldman Sachs das Unternehmen am Markt wie Sauerbier feilgeboten, obwohl die Werft schuldenfrei und praktisch umsonst zu haben war. Lediglich ein deutsches Konsortium und die norwegische Werft Ulltveit-Moe gaben bis zum Ende der offiziellen Bieterfrist im September Angebote ab. Weil das Angebot der Norweger mit 53 Millionen Mark deutlich über dem der Deutschen lag, votierte der BvS-Verwaltungsrat am 11.

Dezember für die Norweger. Zum Ärger der gleichberechtigten Miteignerin, der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, die noch schwankte.