Die Grünen sind volljährig. Ihren 18. Geburtstag feierte die Partei Anfang der Woche in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Bonn. Die Straßen im Regierungsviertel waren mit grünen Luftballons geschmückt und 2000 Gäste geladen. Bundeskanzler Helmut Kohl ließ sich entschuldigen und schickte seinen Adlatus Friedrich Bohl. Ohnehin hatte der Kanzler seinen Glückwunsch schon vor Tagen formuliert: Die Grünen, einst gegründet gegen die sogenannten Altparteien, seien jetzt selbst eine richtig alte Partei geworden. Nichts schrecke sie heute mehr als die Angst, von den Sesseln der Macht wieder herunterzurutschen.

Da muß der Kanzler etwas falsch verstanden haben. Der Unwille der grünen Führung, die Koalition in NRW an Garzweiler scheitern zu lassen, ist doch nicht der Machterhaltung, sondern allein der ökologischen Verantwortung geschuldet. Um das zu bemerken, brauchten die Spitzen-Grünen allerdings selbst ein paar Tage. Schließlich hatten sie sich wochenlang erbittert gegen den Rahmenbetriebsplan für das Projekt gesperrt. Doch jetzt ist die grüne Argumentation dicht, wasserdicht sozusagen. Was bei den Verhandlungen um den Koalitionsvertrag mißlang, was die juristischen Klagen gegen Garzweiler nicht erreichten, was die Drohkulisse eines Koalitionsbruchs nicht schaffte, das soll jetzt die wasserrechtliche Prüfung durch die grüne Umweltministerin bewirken. Aus der grünen Restkompetenz wird - schwupp - der Schlüssel für Garzweiler. Die Grünen haben ihn in der Hand, frohlockt Bauminister Vesper.

Wenn das Wolfgang Clement, der Wirtschaftsminister, wüßte! Eine Sternstunde für Rot-Grün. Und eine wahre Volljährigenlogik.

Die Sonnenblume ist out. Das grüne Parteisymbol wird durch ein ü ersetzt, das kleinste Gemeinsame aus Bündnis 90 und Grünen. Mit ein wenig visueller Phantasie gibt sich dieses ü als Smily, als Symbol des Lächelns zu erkennen.

Böse Zungen behaupten, es sei die gute Miene zum bösen Spiel, die aufzusetzen man sich für das Erwachsenendasein fest vorgenommen habe. Na dann, herzlichen Glückwunsch!