ZEIT: Bayern und Baden-Württemberg haben einen heftigen Streit um den Finanzausgleich losgetreten, weil sie weniger Geld an die schwachen Länder abgeben wollen. Dem haben Sie beigepflichtet, obwohl Sachsen noch auf lange Zeit auf solche Zuwendungen angewiesen bleibt.

BIEDENKOPF: Mir geht es nicht primär um Geld, sondern um eine grundsätzliche Entwicklung: die zunehmende Bevormundung der Bundesländer durch den Bund.

Entscheidend für die innere Struktur unseres Landes ist die Abtretung von Souveränitätsrechten an Europa. Wesentliche Teile der Zuständigkeit des Bundes sind bereits europäisiert. Das hat zu einer permanenten Entleerung der Bundeskompetenzen geführt. Der Bund versucht nun, die verlorenen Kompetenzen bei den Ländern wieder hereinzuholen.

ZEIT: Wie geht das?

BIEDENKOPF: Zum Beispiel über die Finanzverfassung. Die jetzige Verflechtung der Finanzen wie der Aufgaben führt zu einer fast unentwirrbaren Gemengelage.

Deshalb wächst der Widerstand jener Länder, die stark genug sind, ohne Hilfe des Bundes zurechtzukommen, also vor allem Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Aber wie gesagt: Mir geht es um mehr als um Transferleistungen. Die wichtigere Frage heißt: Welche Rolle bleibt den Bundesländern in einem geeinten Europa?

ZEIT: Was ist Ihre Antwort?