DIE ZEIT: Innenminister Manfred Kanther hat Ihnen auf der Jahrestagung des Beamtenbundes vorgeworfen, Ihre Forderung nach einer 3,5prozentigen Besoldungserhöhung sei "nicht von dieser Welt". Werden Sie zurückstecken?

ERHARD GEYER: Keineswegs. Wir sind von dieser Welt, unsere Forderung nach einer linearen Besoldungserhöhung um 3,5 Prozent ist es auch. Sie berücksichtigt die Wirtschaftslage. Sie berücksichtigt, daß wir Impulse für den Konsum brauchen. Dazu gehört, daß die Einkommen Ost bis auf 90 Prozent des Westniveaus angehoben werden. Außerdem brauchen wir Manövriermasse für mehr Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst. In den vergangenen 15 Jahren haben die Länder 1,4 Millionen Arbeitsplätze abgebaut, der Bund 23 000. Jetzt brauchen wir wieder Nachwuchs.

ZEIT: Ihre Forderung, die den Staatshaushalt erheblich belasten würde, gefährdet die deutsche Teilnahme am Euro, zu dem sich der Beamtenbund ausdrücklich bekannt hat. Wie paßt das zusammen?

GEYER: Richtig ist, daß das Haushaltsdefizit ein Kriterium für den Euro-Beitritt ist. Aber die berühmten drei Komma null stehen nicht im Vertrag von Maastricht, die hat Theo Waigel vorgegeben. Davon abgesehen: Unsere Forderung, die ja noch nicht der Abschluß ist, bewegt sich im Rahmen der Kriterien. Wir gefährden damit nichts. Aus der Rede des Bundeskanzlers auf unserer Tagung kann ich einen solchen Vorwurf auch nicht entnehmen. Er hat uns Augenmaß bescheinigt.

ZEIT: In diesem Jahr soll das Versorgungsreformgesetz verabschiedet werden.

Weshalb lehnen Sie Kanthers Vorschlag ab, daß auch Beamte bescheidene Beiträge für die spätere Pension zahlen?

GEYER: In der Analyse des Problems stimmen wir überein. Wegen des gesellschaftlich gewollten Einstellungsbooms der sechziger und siebziger Jahre werden wir von 2015 bis 2027 einen sogenannten "Versorgungsberg" haben.