Die Indonesier sahen ihren Finanzminister in einer ungewohnten Pose: Er verschwand mit einem braunen Briefumschlag, gefüllt mit US-Dollar, in der Bank Indonesia, dem obersten Währungsinstitut des Landes. Nach einigen Minuten kam er wieder heraus und rief der wartenden Menge zu: "Ich liebe die Rupiah! Ich liebe die Rupiah! Laßt uns alle unsere Dollar umtauschen!"

Was kurios, beinahe komisch anmutet, ist Ausdruck blanker Verzweiflung. Die indonesische Regierung greift zu den letzten Mitteln, um den Anschein zu erwecken, sie nehme sich der schweren Finanzkrise an. Allzu deutlich hatten die Indonesier in der vergangenen Woche bewiesen, daß sie den Beschwichtigungen ihrer Politiker nicht mehr trauen: Zu Tausenden hatten die Menschen in der Hauptstadt Jakarta die Geschäfte gestürmt, um Lebensmittel, vor allem Reis, zu horten.

Die Abwertung der Landeswährung hatte selbst die duldsamen Indonesier in Wallung versetzt. Innerhalb weniger Stunden war am vergangenen Donnerstag der Außenwert der Rupiah rapide gefallen: Statt 7000 kostete ein Dollar nun 10 000 Rupiah - erst vier Monate ist es her, daß 2500 Rupiah genügten, um einen Dollar zu kaufen. Grund für den dramatischen Kurseinbruch war der beinahe lächerlich optimistische Haushaltsplan für 1998, den Präsident Suharto am Vortag dem Parlament vorgestellt hatte. Die Regierung, so schien es, hatte die Realität vollends aus den Augen verloren.

Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt - nicht zuletzt dank jenes Landes, dessen Währung alle verkaufen sollen: Erst telephonierte der US-Präsident Bill Clinton mit Suharto, kurz darauf traf der Vizechef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Stanley Fisher, in Jakarta ein. Die pure Hoffnung, daß ein verstärktes Engagement Amerikas und des IWF etwas bewirken könnte, reichte aus, den Kurseinbruch wieder auszugleichen und die Indonesier vorübergehend zu beruhigen.

Präsident Suharto bemüht sich, den Eindruck zu erwecken, er leite ernsthafte Maßnahmen ein. Am Wochenende kündigte er an, fünfzehn wirtschaftliche Großprojekte auszusetzen. Auch die Armee verzichtet auf milliardenschwere Rüstungseinkäufe.

Im Zentrum der neuen Offensive steht aber die "Love Rupiah-Kampagne", die an das Nationalbewußtsein der verunsicherten Indonesier appelliert. Angestoßen hat sie Siti Hardiyanti Rukmana, die älteste Tochter des Präsidenten. Sie hatte schon am Tag nach dem Kurssturz medienwirksam 50 000 Dollar in Rupiah eingetauscht. Das Vorbild stammt aus Thailand, wo seit Wochen die Bürger unter dem Motto "Thais helfen Thais" aufgerufen werden, Devisen und Goldschmuck in Baht umzutauschen.