Mittwoch, 7. Januar

Machterosion. Das wurde im vergangenen Jahr zum Leitmotiv für dieses Tagebuch. Irgendwann hat man vergessen, sich Notizen über das Ewiggleiche zu machen. Gibt es Erosionsprozesse, die einfach nicht enden?

Die Liberalen haben gestern, zu Dreikönig, im Stuttgarter Staatstheater getagt, das Medienecho heute ist fulminant, als wären sie die stärkste der Parteien. Dabei sehen sie den Wahlen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit Heidenangst entgegen. Die Selbstgewißheit ist weg, und zwölf Millionen Mark für die Partei sind es auch - aus Versehen. Jetzt möchten die Freidemokraten Knete von Vater Staat, den sie sonst nicht gerade hochhalten. Ein paar Millionen. Über Spott dürfen die Ärmsten dann aber nicht klagen.

CSU, CDU, SPD, Grüne, alle versenken sich in Klausur. Aber wozu? Um sich über die Realität klarzuwerden, weil der politische Alltag den Blick darauf verstellt? Um einander Wahrheiten zu sagen, die man sich sonst nicht eingestehen will? Spricht die CSU in Wildbad-Kreuth offen darüber, was wird, wenn Kohl die Wahlen in Niedersachsen am 1. März verliert? Der Kanzler selbst hat diese Landtagswahl für sich zu einer Art Vorwahl erklärt. Ein hohes Risiko. Wenn er also verliert, was machen CDU und CSU dann? Schlägt dann doch noch die Stunde Schäubles? Allervorsichtigstes Gemunkel hinter den Kulissen.

Wetten, daß die Große Koalition zum Ohrwurm wird? Gerhard Schröder hat die Möglichkeit nicht nur erwogen, er hat sogar ein gewisses Faible dafür erkennen lassen. Horst Eylmann, CDU, plädiert diese Woche offen dafür. Endlich müsse Bewegung in die Politik.

Donnerstag, 8. Januar

Stillstand? Letzte Nacht haben die Großen sich auf den Lauschangriff verständigt. Man sieht: Es gibt bereits eine Große Koalition. Auf manches verständigt sie sich, auf anderes nicht, aber auch darin steckt ja eine stille Verständigung.