ZDF, sonntags, "Salto Kommunale"

Daß insbesondere das komische Fach Bodenhaftung braucht, daß der Mutterwitz ohne regionales Wurzelwerk nicht aufblühen will - das ist bekannt. Wird aber beim Fernsehen gern ignoriert, weil man topaktuell und weltweit sein möchte und deshalb die "Comedy", den Slapstick und die amerikanische Lakonie pflegt und sich dann wundert, daß es - von Ausnahmen abgesehen - nichts wird.

Glücklicherweise gibt's die Quote. Und die hat für "Salto Postale" votiert, eine Serienposse, deren Protagonist ungeniert sächselt und auch sonst, von Gemüt und Habitus her, für Provinz steht. Der Dresdner Schauspieler Wolfgang Stumph ist inzwischen so beliebt, daß das deutsche Fernsehen ihn sogar zum Kommissar adeln mußte, in einer Serie, die nicht zufällig ebenfalls auf Lokalkolorit setzt.

"Salto Postale" ist abgefeiert, mit verdientem Applaus. Jetzt folgt "Salto Kommunale", ein Sechsteiler, der den Beamten Stankoweit in neuer Funktion als linke Hand der Bürgermeisterin von Niederbörnicke zeigt. Der Gegenspieler von der Post, Hans-Jürgen Schatz als Herr Mäßig, ist auch wieder mit von der Partie, und Angelika Milster als Chefin keineswegs nur für die Verschönerung des Arbeitsplatzes zuständig. Was soll mißlingen? Wenn Stumph-Stankoweit auftritt und seufzt: "Das geht ja gleich gut los", hat er sein Publikum schon in der Tasche. Er weiß ja: "Mit den normalen Leuten komm' ich sowieso klar. Die Chefs bieg' ich mir zurecht."

Es ist in Ordnung, wenn eine gute Truppe und ein erfolgreiches Sujet in Serie gehen, aber man fragt sich doch, wie weit der Kredit reicht, den "Salto Postale" angeschafft hat. Schon will es scheinen, als fehle es beim "Kommunale" an der Beiläufigkeit und Hinterlist, die auf der Post noch abging. Erfolg macht, wenn man nicht sehr aufpaßt, dick, auch in den Mitteln. Wäre schade, wenn sich diese Erfahrung beim "Salto" bestätigen sollte. Für den Kobolz in der Luft darf man nicht zuviel wiegen.

Andererseits: Das Gute an Serien, Folgen und Fortsetzungen ist, daß Darsteller, Autoren, Regisseure und Publikum Weile für eine Entwicklung finden, die das schnelllebige Medium Fernsehen sonst vorenthält. Wenn Witz wirklich "blüht" und "Wurzeln" hat, will er auch wachsen dürfen und seine Zeit brauchen. Und wenn er Glück hat, braucht seine Zeit ihn. Durch die "Salto"-Folgen zieht sich immer noch der Ost-West-Graben, aber er ist schon nicht mehr so tief, und es kommt auch kaum einer mehr drin um. Wollte sich vor Jahren Wolfgang Menges "Motzki" noch im Vollbesitz des Vorurteils über den Ossi erheben, um ihn nach Kräften zu schmähen, und es wurde nicht komisch, ist jetzt die scharfe Kante des Ressentiments abgeschliffen und so, im Vollgefühl des "Wir sind alle gleich gemein", kommt Laune auf.

Ob fieser Wessi oder pfiffiger Sachse, ob Geschäftemacher oder armes Opfer, ob Autorität oder "subalternativ": Man lacht in derselben Tonlage über alle, der Humor als Reaktionsbereitschaft erhebt sich über den kleinlichen Zank und kriegt was - nein, nicht was Versöhnliches, aber was Einigendes. Beamte aller Länder ... "Nu, nu, geht klar", würde Stankoweit uns hier ins Wort fallen, dabei zum Himmel schielen und unter seinem Schnauz ein Grinsen verbergen.