Ein kleines Kunstreich der besonderen Art ist das nach dem Mäzen gleichen Namens benannte Von der Heydt-Museum in Wuppertal: Vor allem Malerei und Plastik des 19. und 20. Jahrhunderts sind hier zu sehen, der Stifter und sein Sohn waren auch als Sammler der Zeitgenossen hoch engagiert. Eine Direktorin der besonderen Art steht diesem Haus vor: Sabine Fehlemann, eine Museumsfrau, die für ihre Beharrlichkeit und Courage bekannt ist. Und nun ist sie in die Schlagzeilen geraten! Durch irgendeinen kuriosen Zufall (Fax, fehlgeleitet) entdeckte sie, daß Bilder und Zeichnungen ihres Hauses auf dem Kriegsumweg (Auslagerung und "ersatzlose" Konfiszierung durch die französische Besatzungsmacht) im Louvre gelandet waren. Sie überprüfte vor Ort einige Fälle, legte eine Verlustliste von 15 Ölgemälden an (darunter Werke von Corot, Boudin und Delacroix) und wandte sich an Françoise Cachin, die Kollegin im Louvre. Die Post blieb wiederholt unbeantwortet, dafür gab es subkutane Nachrichten, denen zufolge es sich um unter deutschem Druck zu Niedrigstpreisen verkaufte Kunst handele und man daher lieber still Verzicht üben sollte. Sabine Fehlemann weist demgegenüber darauf hin, daß für die Bilder die damals in Pariser Galerien üblichen Preise gezahlt wurden, außerdem drei Arbeiten bereits zu Beginn des Jahrhunderts in Wuppertaler Besitz waren. In Bonn möchte man von dem ganzen Thema in altbewährter Weise (Beutekunst? Augen zu!) nichts wissen. Den "kleinen Dienstweg" empfahlen die Herren vom Auswärtigen Amt. Schließlich bereitet man sich auf die Feiern zum 35. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages vor. Achtung, Sabine Fehlemann könnte am 22. Januar die euroseligen Männerfreundschaften mit einem Transparent aufmischen.