Wo bleibt er nur? Nebenan, im Saal des Tiffany-Kinos, läuft bereits seit einer guten halben Stunde die sonntägliche Nachmittagsvorstellung. Filmmusik und lautes Lachen wehen herüber. "Er ist eben ein Künstler, vergeßlich. Man verzeiht ihm vieles", entschuldigt sich Signor Eugenio Siviglia, der Produzent des 1,5 Millionen Mark teuren Films "Die Grimaldis", und bittet um Nachsicht für die etwas widerspenstige, abweisende Art des Regisseurs.

Dann schlüpft er durch den Hintereingang herein, Giuseppe Greco. Tatsächlich, der Mann wirkt etwas schüchtern. Und zieht es erst einmal vor zu schweigen.

Auf die Presse ist der Vierzigjährige sowieso nicht gut zu sprechen. Sie habe ihn, schimpft er, kaputtgemacht, seinen Vater als "Monster" bezeichnet und seine ganze Familie zerstört.

Durch seinen Vater, Michele Greco, ist Giuseppe Greco zu Berühmtheit gelangt, zu trauriger Berühmtheit. Ein Vater, den der Sohn als gottesfürchtiges, aufopferndes Familienoberhaupt von "menschlicher Größe" beschreibt. In einschlägigen Kreisen wurde dieser Großgrundbesitzer freilich "der Papst" genannt - wegen seiner unermeßlichen Machtfülle.

1984 belastete ihn der reumütige frühere Mafiaboß Tommaso Buscetta schwer und erklärte, daß Michele Greco Anfang der achtziger Jahre der "Boß der Mafiabosse" gewesen sei. Laut Buscetta wurde auch die "Kommission", das Führungsorgan der "ehrenwerten Gesellschaft", von niemand anderem als Michele Greco angeführt. Er habe etliche Morde an Politikern, Polizisten, Richtern und Präfekten zu verantworten. Der Bandenkrieg, der damals in Palermo und in ganz Sizilien tobte, sei von Michele Greco absichtlich initiiert worden. Ein Krieg, dem Hunderte zum Opfer fielen, darunter auch der Generalstaatsanwalt von Palermo, Rocco Chinnici, und der Präfekt Carlo Alberto Dalla Chiesa mit seiner jungen Frau Emanuela Setti Carraro und einer Polizeieskorte.

Doch von dieser Schattenseite des Vaters will Sohn Giuseppe nichts wissen.

"Mein Vater ist kein Schlächter gewesen", sagt er über den heute 73jährigen, der im Februar 1986 verhaftet wurde und inzwischen im Hochsicherheitsgefängnis von L'Aquila einsitzt. "Er ist ein außergewöhnlicher Mann."