Guerre heißt Krieg. Das Wort leitet sich, wie Paul-Marie Coûteaux gleich zu Anfang bemerkt, als eines der wenigen französischen Wörter von einem germanischen Stamm ab. Da mag er im nächsten Absatz abstrakt über fundamentalistische Bedrohungen und kollektive Gewalt philosophieren - es ist schon klar, daß Coûteaux hier nicht das Hohelied von der deutsch-französischen Freundschaft und ihrer Motorfunktion in der europäischen Einigung anstimmen will.

Paul-Marie Coûteaux ist ein spät berufener Gaullist. Ursprünglich Linksextremist, später Mitarbeiter erst des linken Sozialisten Jean-Pierre Chevènement, dann des rechten Gaullisten Charles Pasqua, fand er seine derzeitige Berufung zu Zeiten des Maastricht-Referendums 1992. Coûteaux ist Berater und Ghostwriter von Philippe Seguin, dem Wortführer der Anti-Maastricht-Kampagne und neuen Parteichef der Neogaullisten. Sein Buch steht nicht nur für sich es eröffnet auch einen Blick in die Gedankenwerkstatt der Partei.

Der intellektuelle Horizont ist weit. Coûteaux hat, wie Seguin, die Eliteschule ENA absolviert. In Pariser Debattierzirkeln wird der 41jährige Coûteaux auch von denen, die seine Ansichten für verrückt halten, als brillanter Kopf geschätzt, dessen Karriere noch längst nicht zu Ende ist.

Frankreich müsse sich wieder auf sich selbst besinnen, auf seine Traditionen, seine ureigenen Werte und Interessen. Die Fortsetzung der europäischen Integration nach dem gegenwärtigen Muster, so Coûteaux, gehöre nicht dazu, im Gegenteil. Sie sei bloß ein blindes und in der Konsequenz verheerendes Weitermachen. Friedenssichernd sei sie nicht mehr, seitdem das "doppelte Gleichgewicht" verschwunden sei - das sich neutralisierende Gegenüber von jeweils zwei gleich großen Blöcken: USA und Sowjetunion im Weltmaßstab, Frankreich und die alte Bundesrepublik im kleinen.

Im rationalen Teil seiner Argumentation trauert Coûteaux der pax sovietica nach. Nach 1989 sieht er auf dem Schachbrett der Geopolitik bloß ein "fettes und obszönes" Amerika und ein auf achtzig Millionen Menschen angewachsenes Deutschland, dem er nicht einen Schritt über den Weg traut. Amerika und Deutschland seien hemmungslos in der Durchsetzung ihrer jeweiligen Interessen. So ist der Auflösungskrieg in Jugoslawien bei Coûteaux allein Deutschland zuzuschreiben.

Jedes Argument ist bei Coûteaux mit einer überschwenglichen Leidenschaft für Frankreich gepaart. La France, das Wesen Frankreichs, will er retten, ihre Sprache und ihr Kino und die Sonderbeziehungen zu den einstigen Kolonien. Der Affekt trägt Coûteaux in eine bedenkliche Nähe zu rechtsnationalen Bewegungen der ersten Jahrhunderthälfte. Zur Zeit ist die rechte Hälfte der französischen Parteienlandschaft so instabil, daß man nicht vorhersehen kann, auf welchen Nährboden solches Gedankengut trifft.