DIE ZEIT: Scharenweise haben europäische Banken in den vergangenen Jahren Milliardenkredite in Südostasien vergeben. Warnsignale, auch aus Ihrem Institut, überhörten sie geflissentlich. Ist dem internationalen Bankensystem noch zu trauen?

ANDREW CROCKETT: Dem System können Sie trauen, es ist durchaus stabil. Aber es gab im Fall der asiatischen Tigerstaaten tatsächlich viele unkluge Kreditentscheidungen, weil verfügbare Informationen ausgeblendet wurden.

Einige der Staaten hatten so viele kurzfristige Schulden aufgehäuft, daß es als Warnzeichen hätte dienen müssen. So sind durchaus Zweifel angebracht, ob die Gläubiger genug Sorgfalt walten ließen.

ZEIT: Es scheint einen immer wiederkehrenden Herdentrieb zu geben.

Euphorische Bankmanager lassen überall gleichzeitig die übliche Vorsicht fahren. Mit welchen Regulierungen ließen sich solche Entwicklungen künftig eindämmen?

CROCKETT: Allzu viel können Regulierer dagegen nicht ausrichten. Aber sie sollten darauf achten, daß das Portfolio einer Bank breit gefächert bleibt und daß die internen Verfahrensregeln hinreichende Vorsicht gewährleisten. Im Grunde unterstreicht die momentane Episode, was wir schon lange gesagt haben: Weil Banken sich vergessen können, müssen sie versuchen, dies durch interne Kontrollen zu vermeiden.

ZEIT: Deutsche Banken behaupten, daß die Kreditmärkte in Tigerstaaten wie Südkorea völlig undurchsichtig waren. Ihre Forderung: International muß für mehr Transparenz gesorgt werden.