Die Revolution hat die Steuern abgeschafft, die Revolution führt sie ein.

Das kommunistische Kuba unter Fidel Castro will seine leere Staatskasse füllen und vom wachsenden Dollaraufkommen im Land profitieren. Das Fiskalsystem hat ein Deutscher entwickelt: der ehemalige Hamburger Finanzsenator Horst Gobrecht. Das neue System, sagt er, beruhe auf der deutschen Steuergesetzgebung "und ist so angelegt, daß es losgelöst von jedem politischen oder ideologischen System hundert Jahre und länger halten kann".

Der 61jährige, gelernter Steuerberater und überzeugter Marktwirtschaftler, wurde auf Vermittlung der Friedrich-Ebert-Stiftung vom Minister für Finanzen und Preise der Regierung Castro 1995 als Berater ins Land geholt. Mit einem Team von zunächst zwölf, inzwischen sechzig jungen Ökonomen tüftelte der Hamburger das deutsch-kubanische Steuermodell aus.

Auslöser für den finanzpolitischen Kurswechsel war die "Entkriminalisierung des Dollar", wie Gobrecht es nennt. Im Zuge von Wirtschaftsreformen wurde 1993 der Dollar als Zahlungsmittel zugelassen. Außerdem dürfen Privatleute seither "auf eigene Rechnung" als Selbständige, cuentapropistas, arbeiten und kleinere Gewerbebetriebe führen.

Damals befand sich das Land aufgrund einer dramatischen Versorgungslage für die Bevölkerung am Rande eines ökonomischen Kollapses. Die Ursache lag im Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Osteuropa. Es blieb den Planwirtschaftlern in Havanna nichts anderes übrig, als eine marktwirtschaftliche Öffnung einzuleiten - ganz nach dem "Dreisatz" Fidel Castros: "Das Volk will das nicht, die Partei will das nicht, und ich will das auch nicht. Aber trotzdem müssen wir es machen."

Auf staatlicher Ebene gab es schon seit längerem Joint-ventures, etwa von Staatsbetrieben mit ausländischen Investoren, vor allem im Tourismusbereich.

Inzwischen sind auch Unternehmen zugelassen, die zu hundert Prozent Ausländern gehören. Die nach offiziellen Angaben 150 000 bis 200 000 (nach inoffiziellen Schätzungen 600 000) Selbständigen betreiben Restaurants mit bis zu zwölf Plätzen, arbeiten als Handwerker, Taxifahrer, Zimmervermieter oder als Händler auf den wieder zugelassenen Agrar- und Touristenmärkten. In etwa 130 Dienstleistungsberufen dürfen sich Beschäftigte selbständig machen.