Ein paar Polizisten, ruhig und schweigsam, ein paar Yakuza, umtriebig und geschwätzig, und die alten Geschichten um Geld und Ehre, um Geschäfte, Macht und Rache. Einer begeht einen Fehler, unbeabsichtigt, und löst dadurch ein Durcheinander aus, ein Chaos, das alles verändert. Eigentlich eine klassische Kino-Situation. Was Takeshi Kitano daraus macht, ist ein Wunder an Phantasie und Präzision, an Subtilität und Schönheit. Nishi, Kommissar in Tokio, wird von seinem Freund und Kollegen Horibe gedrängt, sich von ihm vertreten zu lassen und statt dessen seine todkranke Frau in der Klinik aufzusuchen. Er akzeptiert das Angebot. Im Krankenhaus erklärt ihm ein Arzt, daß seine Frau bald sterben muß, kurz darauf erfährt er, daß es auf den Straßen zu einem Schußwechsel gekommen ist - ein Kollege tot, sein Freund schwer verletzt.

Nishi wird daraufhin noch schweigsamer, noch abweisender, noch unzugänglicher. Ein schwarzer Engel des Todes, von Selbstvorwürfen gequält.

Er quittiert den Dienst, leiht sich Geld von den Yakuza und sucht seine Schuld wenigstens teilweise zu sühnen. Der Witwe seines Kollegen bietet er Hilfe an, seinem gelähmten Freund schenkt er teures Malzeug, damit der endlich tun kann, wovon er immer geträumt hat.

Kitanos Kino lebt von kurzen Momenten, die ganz beiläufig inszeniert sind.

Oft hat man den Eindruck, das Entscheidende bleibe ausgespart und nur die Dinge an den Rändern zählten. Die Formen eines hölzernen Bauspiels. Der Baseball der Kinder. Die Farben der Blumen. Der bunte Drachen, der nicht so recht steigen will. Deshalb kommt die Geschichte auch nie in Fluß, sie verändert oft abrupt Ort und Zeit, wechselt die Ebenen zwischen Realität und Traum, verharrt in hypnotischer Anspannung.

Es ist ein Kino der beredten Blicke, der rituellen Gesten, der doppelbödigen Anspielungen. Verwandt den mythischen Gangsterthrillern eines Jean-Pierre Melville wie den japanischen Yakuza-Filmen der sechziger Jahre. Interessant dabei allerdings, wie Kitano (als Beat Takeshi zugleich der Darsteller im Zentrum) die Akzente setzt - durch Horibes Gemälde, die das Geschehen kommentieren durch Blicke zur Seite und verlangsamende Montage, die das Suggestive unterlaufen.

Es ist ein wundersamer Zauber, der Kitanos Filme im Innersten zusammenhält - wie ein Sog unter Wasser, der die klaren Formen oben an der Oberfläche unentwegt verändert und durcheinanderwirbelt. Seine Kamera schwelgt nicht, sie fängt karg kadrierte Ausschnitte ein. Immer wieder gibt es überlange Blicke auf Landschaften, in Straßen, auf Gesichter. Dagegen eher nebenbei: die Bilder der Aktionen. Mit einer Ausnahme: der Moment des Versagens, der geradezu symphonisch verklärt wird. Nishis vergeblicher Versuch, den Mörder zu überwältigen, wird mehrfach aus unterschiedlichen Perspektiven gezeigt: als letztes Aufbegehren gegen Niederlage und Verzweiflung. Für ihn ist es danach eine Frage der Ehre, das eigene Scheitern durch eine besondere Tat zu kompensieren.