Denn wenn ein Treffen Kaniuk zu so vielen interessanten Gedanken angeregt hat, hat es doch einen Sinn gehabt. Im Gegensatz zu Kaniuk lebe ich nicht in einer Welt von Scheiterhaufen und Pogromen. Für mich ist die Zukunft wichtiger als die Vergangenheit. Und auch die Vergangenheit kann man verschieden betrachten. (Man sagt bei uns, daß sich in Israel nichts verändert außer der Vergangenheit.) Eine düstere Weltanschauung führt zu nichts als Resignation und Verzweiflung, sie opfert die Zukunft auf dem Altar der Vergangenheit. In seiner Arbeit für den Frieden bestätigt ja auch Kaniuk, daß auch er nicht an einen totalen Pessimismus glaubt.

Treffen von deutschen und israelischen Autoren, wie auch zwischen israelischen und palästinensischen, sind schon beinahe zu Routine geworden.

Die Idee von Hans-Georg Meyer, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, eine Dreier-Diskussion zustande zu bringen, ist neu und sinnvoll, denn sie kann zu neuen Erkenntnissen führen. Der historische Zusammenhang ist ja klar - der moderne Zionismus war eine direkte Reaktion auf den modernen Antisemitismus Palästinenser bezeichnen sich gern als die "Opfer der Opfer". Auch eine Debatte zwischen Israelis und Palästinensern im fernen und schönen Speyer ist sinnvoll, denn wenn man sich in Ramallah oder Bethlehem trifft, steht man unter dem Eindruck der unmittelbaren Ereignisse und reagiert auf die schlimmen Dinge, die jeweils gestern geschehen sind. Die Distanz ermöglicht es, manchmal den Blick zu heben.

Daß die deutschen Autoren dazu neigen, sich zurückzuhalten, wenn Israelis und Palästinenser sich streiten, finde ich falsch. Eine bestimmte Art von Philosemitismus sieht mir wie die Kehrseite des Antisemitismus aus. Wir wollen keine positive Sonderbehandlung, so wie wir die grauenvolle nicht wollten. Uri Avnery, Tel Aviv

Was für ein Unfug, der Artikel des Herrn Kaniuk! Grundmeinung scheint zu sein: Hitler war immerzu am Werk, historische Daten sind beliebig zu verwenden, auf ein paar Jahrhunderte kommt es nicht an: Nazis von 900 bis 1945.

Jürgen Leibfritz, Nersingen

Der Dom zu Speyer mag Kaniuk bombastisch erscheinen, uns nicht. Gerade hier sind die Interdependenzen zwischen dem städtischen, bischöflichen und jüdischen Speyer stark prägend. Insofern sind Speyrer Juden für mich nicht Hebräer, also Vorübergehende, sondern Heimgekommene, Bleibende. Frank Fuchs, Neuhofen