Jahrhundert keine Judenvertreibungen in Speyer. Besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts hatten Juden zunehmend Anteil am politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt und wirkten segensreich auch zum Wohl ihrer nichtjüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Daß neues jüdisches Leben in der Stadt entsteht, bedarf nicht der Anwesenheit von Herrn Kaniuk. Bereits 1996 haben sich jüdische Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion in Speyer organisiert. Um die Bedeutung der mittelalterlichen Judengemeinde wissend, versuchen sie, an die Traditionen der früheren Gemeinden anzuknüpfen.

Dr. Werner Transier (Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft), Speyer

Gewiß, nach dem Krieg haben wir den Opfern des Holocaust Denkmäler gesetzt und Wiedergutmachung gezahlt, und damit glauben wir, die Sache sei für die Juden erledigt. Doch sie erinnern sich an die Geister, die seit Jahrhunderten in den nichtjüdischen Köpfen spuken und die immer wieder zu den Judenpogromen geführt haben: Die Juden sind Gottesmörder wir, die nichtjüdischen Christen, sind das wahre Israel wir haben das geistliche Erbe Israels angetreten wir haben den Segen Abrahams geerbt, während auf den Juden ein Fluch liegt die Christen sind die Vollstrecker der Rache Gottes.

Vor dieser gefährlichen Arroganz warnt der Apostel Paulus die nichtjüdischen Christen in Rom: "Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich ... Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes (betreffs der Juden) sind unbereubar" (Römer 11, 21 und 29).

Karl Josef Schneider, Ravensburg

Durch ein Versehen ist bei dem Kaniuk-Text die Übersetzerin nicht genannt worden. Es handelt sich um Beate Esther von Schwarze. D.Z.