Ein verlegener Abschied: Niemand weiß genau, warum für Klaus Töpfer, den Wohnungsbauminister, plötzlich kein Platz mehr auf der Bonner Bühne war.

Seine Fähigkeit, Sachen "streitfrei zu stellen" und Hindernisse sachte aus dem Weg zu räumen, bleibt unübertroffen. Das führte er gerade erst wieder als Beauftragter für den Berlin-Umzug vor. Selbst die skeptischen Ossis überzeugte er als ein Problemlöser, dem im richtigen Moment immer ein entspannender Witz einfällt. Wenn nichts mehr half, wurde Skat gespielt, seine Leidenschaft. Damit zwang er alle an den Tisch sogar der steife Innenminister Kanther ließ sich von ihm verführen.

Gedrückt hat Töpfer sich nie, beklagt auch jetzt nicht, als er sich plötzlich zum Exekutivdirektor der UN-Umweltorganisation UNEP gemacht sah, ehe er selber genau wußte, ob er das wirklich wollte. Daß einer mit seinen Talenten auf die Wildbahn der UNO abgedrängt wird, ist selbst für solche Beobachter schwer erklärbar, die es sinnvoll finden, daß herausragende Deutsche auch in internationalen Spitzenpositionen Profil zeigen.

Für die Journalisten war er ein Labsal: kompetent, zugänglich, interessiert.

Der Dank des Vaterlandes fiel verhaltener aus.

Zu oft hatte Klaus Töpfer mit seinen Ideen gegen das Beharrungsvermögen der Apparate verstoßen. Weil er mehr ankündigte, als er einlösen konnte, ließen aber auch die deutschen Umweltschützer kein gutes Haar an ihm. Erst seit er 1994 als Umweltminister abgelöst wurde und Angela Merkel ihm im Amt nachfolgte, begannen sie, ihm nachzutrauern. Der Ressortwechsel wurde als Indiz dafür interpretiert, daß die politische Rendite, die sich der Kanzler von Töpfer versprochen hatte, nicht groß genug ausgefallen war. Auf dem Kompetenzfeld hatte er den Grünen das Thema nicht abjagen können. Außerhalb der CDU wunderte das niemanden.

Ein Talent geht - aber was heißt das schon unter der Spätherrschaft Kohls.