Mit seinem Vater konnte Ole H. nicht zufrieden sein: Die väterliche Zuwendung beschränkte sich auf regelmäßige Unterhaltszahlungen, seit sich die Eltern kurz nach seiner Geburt getrennt hatten. Sogar als die Mutter an Krebs starb, ließ sich der Vater nicht blicken. Mit knapper Not entging der damals fünfzehn Jahre alte Ole dem Waisenhaus und zog danach zusammen mit seiner Schwester den jüngeren Bruder auf, bis der an Leukämie starb.

Im vergangenen Jahr geriet Ole in finanzielle Schwierigkeiten - und kam auf die Idee, sein Vater solle nunmehr das bislang Versäumte gutmachen und ihm 100 000 Mark als vorzeitiges Erbe überweisen. Dringliche Anrufe konnten den Vater jedoch nicht von dieser Verpflichtung überzeugen. Oles Anwalt wußte auch keinen Rat: Der Vater sei im Recht, erklärte der Jurist dem Sohn - es gebe keinen Anspruch auf vorzeitige Auszahlung eines Erbteils.

Also beauftragte Ole seinen Bekannten Roberto, das Inkasso in die Hand zu nehmen. Dieser, ein stämmiger Kraftbrocken, ist am gemeinsamen Wohnort Ilmenau in Thüringen bekannt und gefürchtet er sollte Oles Vater Gustav H.

besuchen und ihm "Angst einjagen", bekennt der 27jährige Ole vor dem Schöffengericht Neumünster. Zusammen mit Roberto S. ist er nun wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung angeklagt, Roberto zudem wegen gefährlicher Körperverletzung. Denn im Juni 1997 hat er Gustav H.

zusammengeschlagen und schwer verletzt wenige Wochen später wurden Schläger und Auftraggeber festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft.

3000 Mark hatte Ole seinem Bekannten für dessen Dienste versprochen. Zwar sei er nicht direkt zu Gewalttätigkeit aufgefordert worden, sagt Roberto, aber für ihn war von vornherein klar: "Ich bin da hoch, um dem Alten eins auf die Fresse zu geben. Ich hätte den ja schlecht ängstlich quatschen können." Statt dessen begab er sich nach Kiel und in des Vaters Fahrschule, donnerte dem überraschten Mann die Faust zwischen die Augen und zertrümmerte danach noch auf dem Schädel seines Opfers einen Stuhl. Gustav H. kam ins Krankenhaus, und Roberto meldete Vollzug: "Dein Alter hat eins aufs Maul bekommen, der zahlt jetzt."

Kein Vater muß gegen seinen Sohn aussagen, aber Gustav H., ein energischer, kompakter Mann, will vom Zeugnisverweigerungsrecht nichts wissen. Zu dem schwierigen Vater-Sohn-Verhältnis sagt der Zeuge wenig: "Wir haben uns eben aus den Augen verloren." Noch am Tag des Überfalls, berichtet er dann weiter, habe sich Ole am Telephon "scheinheilig" nach dem Befinden des Opfers und seinem Erbe erkundigt. Später soll der Angeklagte sogar mit der russischen Mafia gedroht haben. Aus Furcht vor weiteren Anschlägen zogen Oles Vater und seine Frau zeitweise aus ihrer Wohnung aus.