Sie duften köstlich, und sie sehen verführerisch aus, diese kunstvoll geschälten Mangos, die auf Mexikos Straßen feilgeboten werden. Daß ihnen geradezu satanische Kräfte innewohnen, merken die meisten Touristen erst, wenn es schon zu spät ist und sie sich, von Magenkrämpfen gequält, im Hotelbett wälzen.

Man nennt dieses Leiden "Montezumas Rache". In der Tat hätte der Aztekenherrscher Motecuhzoma II. allen Grund, sich an den Europäern zu rächen. Die haben ihn nämlich ganz fürchterlich reingelegt. Um an das Gold der Azteken zu kommen, ließen sie Montezuma in dem Glauben, sie seien Götter.

So brachten sie ihn zu Beginn des 16. Jahrhunderts dazu, sein Volk zu verraten und seine Reichtümer an die spanischen Eroberer zu übergeben. Die "Götter" bedankten sich, indem sie das Land mit christlichem Glauben und europäischer Kultur überzogen. Von 16 Millionen Einwohnern überlebten 1,3 Millionen.

Unvorstellbare Verbrechen, aber auch ungeheure Leistungen wurden vollbracht, um in den Besitz von Gold zu kommen. Gold, das war wahrer, beständiger Reichtum. Weder Wirtschaftskrisen noch Revolutionen könnten seinem Wert etwas anhaben, hieß es. Manche denken das sogar noch heute. Und die Goldlobby bestärkt sie in diesem Irrglauben. Dabei ist Gold heute kein Segen mehr, sondern eine Plage.

Theo Waigel zum Beispiel, der geplagte oberste Schatzmeister des deutschen Staates, hat 3700 Tonnen Gold im Keller liegen. Das Zeug ist aus alten Zeiten übriggeblieben, als die Notenbanken Gold noch als Währungsreserve brauchten.

Heute hingegen könnte man ohne weiteres darauf verzichten, erst recht, wenn es die Mark bald sowieso nicht mehr gibt. Trotzdem dürfen Waigel und seine Kollegen in anderen Ländern ihr Gold nicht verkaufen, weil dann der Goldpreis so weit stürzen würde, daß sich der Verkauf nicht mehr lohnt. Dabei brauchte der arme Theo Waigel das Geld so nötig.

Aber auch für private Anleger ist Gold uninteressant. Gold ist höchstens noch etwas für Spekulanten, sein Preis schwankt stärker als die Kurse von Aktien.