Nun ist die EU-Troika doch gereist: Nach tagelangem Tauziehen mit den algerischen Behörden trafen am Montag drei Staatssekretäre aus Großbritannien, Österreich und Luxemburg zu einem 24stündigen Besuch in Algier ein. Es war die erste offizielle Initiative der EU seit Beginn der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in Algerien vor sechs Jahren.

Angesichts der jüngsten Massaker, denen in den vergangenen vier Wochen mindestens 1500 Menschen zum Opfer gefallen sind, will die EU Hilfe im Kampf gegen den Terror anbieten. Das setzt allerdings voraus, daß die Urheber bekannt sind. Doch unabhängige Ermittlungen, wer für die nicht endenden Greueltaten verantwortlich ist, akzeptiert die algerische Regierung nicht - ebensowenig wie humanitäre Hilfe. Nach offizieller Lesart handelt es sich bei den Terroristen um islamistische Gewalttäter, für deren Bekämpfung eine ausländische Unterstützung nicht erforderlich sei.

Aus zwei Gründen sperrt sich das Regime in Algier gegen jedwede Internationalisierung des Konflikts. Zum einen wurde die Saat der Gewalt gelegt, als die Militärmachthaber 1992 den bevorstehenden Wahlsieg der Islamischen Heilsfront (FIS) durch einen Staatsstreich verhinderten. Der politische Islam ging daraufhin in den Untergrund und wurde gewalttätig. Eine ernsthafte Ursachenforschung des islamischen Terrors würde zwangsläufig diesen Zusammenhang nennen: In Algier ist dies aus naheliegenden Gründen unerwünscht. Zum anderen wollen Gerüchte nicht verstummen, daß nicht für alle Massaker der letzten Monate die Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) verantwortlich ist. Teilweise soll auch die Armee gemordet haben. Würde das Regime diese Beschuldigungen für grundlos halten - was spräche dann gegen eine unabhängige Untersuchungskommission?

Europa kann keine konstruktive Rolle in Algerien spielen, solange sich das Regime gegen ausländische Unterstützung sperrt und die Europäer in ihrer Beurteilung algerischer Machtspiele zerstritten sind. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen zeigt vor allem Paris wenig Neigung, Druck auf Algier auszuüben. Hält aber die Gewalt an, wird das Land ohne fremde Hilfe im Chaos versinken.