Rainer Aringhoff ist ein gewinnender Mensch. Das muß er auch sein, denn der Generalbevollmächtigte Solarthermie von Pilkington Solar International in Köln wirbt für eine zwar umweltfreundliche, aber leider kurzfristig auch teure Sache: für ein solarthermisches Kraftwerk.

Solarthermie heißt die Erzeugung von Dampf mit Spiegeln, die das Sonnenlicht konzentrieren. Der Dampf wird anschließend in Turbinen geleitet und zur Stromproduktion verwendet wie auch in herkömmlichen Kohle- und Atomkraftwerken. Solarthermische Kraftwerke brauchen Sonneneinstrahlung von 1800 bis 1900 Kilowattstunden je Quadratmeter pro Jahr, ein Wert, der in vielen südlichen Regionen Europas, im Nahen Osten und in Nordafrika erreicht wird. Dort könnte durch den Einsatz von Solartechnik preisgünstig klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) eingespart und somit der Erderwärmung vorgebeugt werden. Ende November hat Pilkington Solar International bei einer Projektpräsentation in Marokko einen weiteren Anlauf unternommen, die umweltfreundliche Stromerzeugung an den Mann zu bringen. Die Firma möchte ein 180-Megawatt-Gas-und-Dampf-kraftwerk um 50 Megawatt Solarthermie ergänzen.

Mit seinem in Kalifornien seit Jahren erprobten Parabol-Rinnen-Konzept ist Pilkington preislich und technisch (noch) nahezu konkurrenzlos. Doch den Durchbruch verhindern bislang die niedrigen Öl-, Kohle- und Gaspreise. "Bei einem Preis von 35 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) Öl wären wir bereits heute kostengleich mit fossilen Kraftwerken", hat Solarexperte Aringhoff ausgerechnet. Der Preis aber liegt zur Zeit bei nur etwa achtzehn US-Dollar.

Das verhindert die ökologische Alternative.

Noch vor fünfzehn Jahren hatten ihre Entwickler auf den großen Durchbruch von Solarthermie gehofft. Nach den Ölpreissprüngen Ende der siebziger Jahre baute der israelisch-amerikanische Projektentwickler Luz neun solarthermische Kraftwerke in Kalifornien. Dann senkten die kalifornischen Energieversorger ihre Abnahmepreise für Strom, und Luz ging beim Bau einer zehnten Anlage 1991 in Konkurs. Die installierten Anlagen wurden zwar von drei Nachfolgegesellschaften übernommen und produzieren auch heute noch Strom.

Neue Kapazitäten sind dort aber nicht geplant - zu teuer.

Die Pilkington-Flachglas-Gruppe, die alle Spiegel für die kalifornischen Kraftwerke geliefert hat, bemüht sich seitdem vergeblich um Anschlußaufträge.