Ich spreche nur noch mit dem Richter", sagt George Scherr, Mikrobiologe und ehemals über 25 Jahre lang Herausgeber des Wissenschaftshumorjournals Journal of Improbable Research (JIR). "Näher werde ich dem Gefühl wohl nicht kommen, Alice im Wunderland zu sein", entgegnet sein Kontrahent Marc Abrahams, Mathematiker in Cambridge (USA) und Herausgeber des Wissenschaftshumorjournals Annals of Improbable Research (AIR).

Zwischen den Witzbolden herrscht ein Streit, der an ein altes Sprichwort erinnert: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht."

Die Auseinandersetzung begann vor vier Jahren. Damals entschloß sich Marc Abrahams, wegen ständiger Querelen mit dem Verlag seinen Posten als Herausgeber des JIR aufzugeben und die format- und inhaltsähnlichen Annals zu gründen. Viel Schönes war seither darin zu finden: neben Berichten über skurril anmutende Experimente (Wiederbelebung kältestarrer Stubenfliegen, Extraktion von Nährstoffen aus Erde mit Hilfe von Coca-Cola) auch detaillierte Gourmet- und Einrichtungskritiken der Mensen bekannter amerikanischer und europäischer Universitäten. Den großen Erfolg der AIR belegen auch die über 20 000 Subskribenten der Internet-Gratisausgabe der Annals namens Mini-Air.

Überdies veranstalten die AIR an der Harvard-Universität das jährliche IgNobelpreis-Spektakel (siehe ZEIT Nr. 2/98) und fördern einen von der Biochemikerin Karen Hopkin zusammengestellten Wandkalender, in dem knackige Forscher halbbekleidet bei der Ausübung ihres jeweiligen Lieblingssports abgelichtet sind. Warum selbst Nobelpreisträger den Spaß mitmachen, erklärt AIR-Mitherausgeber Dudley Herschbach (Chemienobelpreis 1986) mit pädagogischer Absicht: "Die Leute sollen wissen, daß Wissenschaftler nicht einfach ein Haufen humorloser Superdeppen sind."

Doch er hatte nicht mit den Humorverwaltern gerechnet.

Mit dem Aufstieg der AIR begann nämlich der Fall des JIR. Der streitlustige JIR-Veteran George Scherr ernannte sich schließlich zum Anwalt in eigener Sache und reichte Ende 1997 eine zwanzigseitige Anklageschrift ein, die dem Humorkonkurrenten Abrahams Schwindel, unfaires Geschäftsgebaren, Markenklau und die Verabredung zum Betrug vorwirft. Besonders erbost ist Scherr darüber, daß praktisch die gesamte Mitherausgeberriege des JIR zu den AIR übergelaufen ist. Hätte Scherr nicht den Streitwert auf absurde acht Millionen Dollar Verdienstausfall und Schmerzensgeld geschraubt, so könnte das AIR-Team seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und über einen weiteren wichtigtuerischen Wissenschaftler lachen. "So ist es allerdings nichts als eine gigantische Zeit- und Geldverschwendung, die unserem kleinen Magazin leicht das Kreuz brechen könnte", fürchtet Abrahams. Es drohe "ein Gerichtsverfahren, wie es sich die Marx Brothers ausgedacht hätten", kommentiert das WWW-Journal Wired den Kampf der Komiker.

Doch der Air-Chef hat seinen Humor darüber nicht verloren. So werden beispielsweise in der elektronischen Kurzausgabe des Heftes (bestellbar über http://www.improb.com) jeden Monat die bizarrsten Dialoge der telephonierenden Streitparteien veröffentlicht.