Fast alle Männer in dem kleinen Fischerort El Remo haben Zigarrenstummel im Mund. Ihre puros, die sie im Laden der Señora Gamila nebenan für ein paar Pesos kaufen, gehören ganz einfach zum Leben. Dabei wissen sie wahrscheinlich gar nicht, daß die Zigarren, die sie da rauchen, zu den besten der Welt zählen. Alle sind einzeln in Handarbeit hergestellt worden, wie es sonst nur noch bei den erlesenen Spitzenmarken der Havannas gemacht wird. Es ist ein aussterbendes Handwerk, doch hier am westlichen Ende Europas, auf La Palma, hat es sich erhalten. Allerdings werden die Männer, die sich auf diese Kunst verstehen, von Jahr zu Jahr weniger, und so gestaltet sich die Suche nach ihnen dann auch schwieriger als erwartet.

Wir fahren kilometerweit durch Bananenplantagen. Hohe graue Mauern schützen die windempfindlichen Pflanzen vor der Meeresbrise. Durch die breiten grünen Blätter schimmert die Sonne. Steil windet sich die Straße von der Küste in engen Serpentinen hoch ins Bergland.

Wir erreichen unsere erste Adresse, ein kleines Bergdorf, aber wir kommen zu spät. Von einem Nachbarn erfahren wir, daß der Zigarrenroller seinen Laden längst dichtgemacht und die Insel verlassen hat. Wohin, weiß niemand. Also heißt es für uns weitersuchen.

El Paso liegt in den Bergen am Fuße der Caldera de Taburiente, einer rauhen Vulkanlandschaft. Hier oben geht ein ständiger Wind. Wie ihr Name schon sagt, ist die Stadt ein Durchgangsort für alle, die über die Gebirgskette auf die Ostseite der Insel wollen. Wir fragen uns durch nach einem Zigarrenhersteller, dessen Namen man uns genannt hat. Offenbar wäre es ungehörig, eine Auskunft zu verweigern, nur weil man sie nicht weiß. So werden wir freundlich kreuz und quer durch den Ort geschickt - ohne Erfolg.

Es ist heiß. Die Hemden sind durchgeschwitzt, unsere Nerven strapaziert. Die Stadt dagegen verfällt in eine geradezu mexikanische Siesta. Kein Mensch läßt sich jetzt mehr blicken. Nur auf einer Gartenmauer sitzt im Schatten eines Baumes ein alter Mann mit Strohhut. Er hat eine Zigarre im Mundwinkel. Sein Akzent ist hart, und er spricht sehr schnell, aber soviel verstehen wir: Die Zigarrenwerkstatt muß hier gleich um die Ecke sein.

In einer Garage sitzt Don Arsenio an seinem niedrigen Holztisch und arbeitet in aller Ruhe vor sich hin. Er blickt kurz auf und begrüßt uns knapp, als wären wir alte Bekannte. Die Werkstatt ist vollgestopft mit hölzernen Geräten und Werkzeugen. Aus Kartons, Säcken und Fässern ragen Tabakblätter verschiedenster Herkunft. Don Arsenio erkennt sie an ihrem Aussehen, der unterschiedlichen Brüchigkeit und natürlich an ihrem Geruch. Tatsächlich strömen die dunklen Blätter aus Kuba ein feuchtes und kräftiges Aroma aus.

Der Tabak aus La Palma ist dagegen schwächer und weit weniger charakteristisch.