Huhn, Rindfleisch und natürlich Aguti: Neben bekannten Fleischsorten köchelt auch dieser ganz besondere Leckerbissen in den bauchigen Kochtöpfen der bonnes femmes, der guten Frauen, die in den Städten Benins am Straßenrand auf hungrige Kunden warten. Agutis werden überall geschätzt: Beim Bankett der Minister darf die pummelige Ratte mit der stumpfen Schnauze auf der Speisekarte ebensowenig fehlen wie bei Festen auf dem Dorf. Bisher war das Aguti jedoch eine immer seltener werdende Jagdbeute nur 65 Prozent des Bedarfs in Benin konnten überhaupt gedeckt werden. Das soll nun anders werden. Nach jahrelanger züchterischer Arbeit ist es in dem westafrikanischen Land gelungen, aus wildlebenden Agutis handzahme Haustiere zu machen.

In Benin sind Weideflächen, insbesondere im Süden, äußerst knapp fast jeder geeignete Flecken Land wird mittlerweile zum Anbau von Nahrungsmitteln oder auch von Baumwolle für den Export genutzt. Der Fleischbedarf der jährlich um 3,2 Prozent wachsenden Bevölkerung nimmt jedoch weiter zu. Eine ausweglose Situation?

Bis vor einigen Jahrzehnten hielten in Europa viele Haushalte noch Hasen, die, mit Küchenabfällen gefüttert, den Speisezettel ergänzten. Stallhasen halten jedoch dem tropischen Klima nur unter Einsatz von Medikamenten stand.

Was liegt also näher, als gut angepaßte einheimische Tierarten zu domestizieren, die, ganz ähnlich wie Hasen, in Ställen gehalten und von Abfällen ernährt werden können? 1983 startete das Ministerium für ländliche Entwicklung in Benin mit Unterstützung der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein Projekt zur Domestizierung von Agutis.

Die Hauptarbeit leistete die Zuchtstation in Godomey, einem Außenviertel der Hauptstadt Cotonou.

Agutis, nach den Stachelschweinen die größten afrikanischen Nagetiere, bringen immerhin drei bis viereinhalb Kilo auf die Waage. Sie sind übrigens nicht mit ihren südamerikanischen Namensvettern zu verwechseln und heißen im deutschen Sprachraum auch Rohrratten. Agutis leben in der Savanne, aber auch auf Agrarflächen, wo sie weitaus weniger als im Kochtopf geschätzt werden: Ihre Vorliebe für saftige, süße Grasstengel macht sie, beispielsweise in Zuckerrohrplantagen, zu Schädlingen. Dort knabbern sie nur die zartesten Teile ab, um dann sogleich am nächsten Halm zu naschen.

Damit aus dem Aguti ein Haustier wurde, waren zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Lassissi Togbe Yewadan, Leiter des Projektes, erzählt: "Die Tiere reagierten sehr empfindlich auf Streß. In den ersten Jahren starb deswegen ein großer Teil der Tiere nach kurzer Gefangenschaft." Erst nachdem die besonders streßanfälligen "Paniker" von der Zucht ausgeschlossen und die Haltungsbedingungen verbessert worden waren, überstieg die Zahl der Geburten die der Todesfälle. Gleichzeitig konnte die durchschnittliche Größe der Würfe (maximal zwei pro Jahr) von knapp vier Jungen auf viereinhalb gesteigert werden. Auch die Ernährung wurde optimiert: Dem Gras wird eine Mischung aus Küchenabfällen und Ernteresten beigefügt Agutis schätzen Hülsenfrüchte, Wurzelgemüse und Mais. Als die Schwierigkeiten bereits überwunden waren, gefährdete 1989 ein dreimonatiger Generalstreik den ganzen Tierbestand der Zuchtstation.