In der vorigen Woche ist in Polen mit großem Respekt und viel Liebe der 90. Geburtstag von Stanislaw Stomma gefeiert worden. Er war der erste Vorsitzende der katholischen ZNAK-Gruppe, die sich nach dem "polnischen Oktober" 1956 bildete sie hat die ersten revolutionären Liberalisierungsversuche unternommen.

Im März 1976 wurde im Sejm über die neue Verfassung abgestimmt, hinter der die Polen den Einfluß Moskaus witterten. Proteste der Studenten, zornige Briefe mit Hunderten von Unterschriften waren vorangegangen. Dann kam die Sitzung im Parlament. Ich werde das Bild nie vergessen. Alle saßen mit gesenkten Köpfen, denn die Majorität der Abgeordneten war natürlich gegen die neue Verfassung aber als die Frage kam: "Wer ist dagegen?", erhob nur einer die Hand, und zwar schüchtern und keineswegs in Heldenpose: Stanislaw Stomma.

Für ihn, so wurde danach mitgeteilt, werde es im neuen Parlament keinen Platz mehr geben.

Er war sein Leben lang ein ritterlicher Mensch: im Untergrund, im Parlament, im Senat. Immer hat er sich für Versöhnung eingesetzt, er war der erste, der schon in den fünfziger Jahren nach Deutschland kam.