Eines muß man der US-Raumfahrtbehörde lassen: Sie beherrscht die Kunst der Publicity perfekt. Trat sie doch mit der Nominierung des 76jährigen John Glenn just dann an die Öffentlichkeit, als ihre einst weltweit Aufsehen erregenden Marsfossilien von zwei Forschergruppen als irdische Verunreinigungen entzaubert wurden.

Doch wen kümmert heute noch das Schicksal der merkwürdigen Strukturen auf dem Marsmeteoriten ALH84001? Statt der vermeintlichen Außerirdischen gilt es heute, ein irdisches "Wunder der Aeronautik und der Geriatrie" (New York Times) zu feiern. Schließlich will der Weltraumpionier Glenn helfen, "die Gebrechen des Alters zu vermindern" und Probleme für junge Astronauten zu vermeiden. Zwar glaubt niemand im Ernst an den wissenschaftlichen Nutzen von Glenns Altersrekordflug, doch das sieht man dem Sympathieträger gerne nach.

"Es gibt heute 35 Millionen Amerikaner, die älter als 65 sind, und ich repräsentiere diese Menschen", meint Glenn. Wie sagt doch Nasa-Chef Daniel Goldin? Glenns Mission sei "ein Flug für die Zukunft". Recht hat er: Mit solchen Ideen ist die Zukunft der Nasa gesichert.

Vielleicht läßt sich ja die Raumstation Alpha gewinnbringend als Altersheim mit Aussicht aufs Paradies vermarkten. Von dort aus ließe sich auch kostengünstig zur Bestattung der Zukunft starten. Schließlich beweist der verstorbene Kometenentdecker Eugene Shoemaker, dessen Asche inzwischen in der Raumsonde Lunar Prospector um den Mond kreist: Für den Astronautenberuf ist es nie zu spät.