Ein Konzertereignis des Monats: Portishead kommt! Dabei sah es lange so aus, als ob jenem englischen Duo, das vor drei Jahren dem "TripHop" zum Welterfolg verhalf, nichts mehr einfallen würde.

Die verflixte zweite Platte: Prüfstein und Qualitätszertifikat Wegmarke bei der Entwicklung von der kreativen Eintagsfliege zur dauerhaften künstlerischen Potenz. An der zweiten Platte sind schon viele fulminante Debütanten zerbrochen: Terence Trent d'Arby, Tracy Chapman, Alice in Chains.

Vom hohen Roß der Hitparade in die Niederungen mäßiger Verkäufe und flauer Kritiken.

Auch die Gruppe Portishead fiel nach einem glänzenden Start ins tiefe Loch: "Dummy", das erste Album von 1994 mit seiner blau getönten Melancholie, den Ennio-Morricone-Grußadressen und dem kaputten Diseusen-Charme der Sängerin Beth Gibbons, war auf geradem Wege aus Bristol in die Metropolen marschiert und hatte sich millionenfach verkauft. Danach hieß es: Bonjour Tristesse.

Geoff Barrow, der Programmierer der Portishead-Klänge, war vom Erfolg, von den Schlagzeilen und den Blitzlichtern überfordert. "Mir fiel nichts mehr ein", erzählte er dem New Musical Express, "alles, was man sich nur vorstellen kann, ging schief. Ich verlor die Liebe zur Musik."

Und Sängerin Gibbons, von den Journalisten zur Billie-Holiday-Wiedergängerin im digitalen Datenfluß gekürt, ergänzte: "Ich begann Songs zu schreiben, weil ich hoffte, mit Leuten kommunizieren zu können - ich fühlte mich mißverstanden und vom Leben generell enttäuscht. Nach dem Erfolg erkannte ich, daß da keine Spur von Kommunikation war die ganze Sache hatte sich in ein Produkt verwandelt."

Zwei Jahre gingen ins Land, ehe Portishead die selbstauferlegte Produktionsblockade durchbrachen. Keine Doublette der einprägsamen Erfolgsformel sollte geboten werden, Filmmusik-Samples kamen auf die schwarze Liste, aktuelle Moden der Musikszene wurden ausgeblendet.