Davon hat Fidel Castro schon lange geträumt: Der Papst kommt nach Kuba und spricht sich dort, unmittelbar vor der Haustür der Vereinigten Staaten, gegen die internationale Wirtschaftsblockade aus, die Washington verhängt hat. Kirchenvertreter wehren sich aus humanitären Gründen gegen das Embargo.

Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, jeglicher Sympathien für die Revolution unverdächtig, erklärte in einer Fernsehansprache, daß Johannes Paul II. wiederholt das Recht der Menschen auf Nahrung und Gesundheitsversorgung betont hat.

Das US-Embargo nimmt den Kubanern nach Ansicht der katholischen Kirche dieses Recht. Die Lieferung dringend benötigter Lebensmittel, Medikamente, medizinischer Geräte und Ersatzteile wird dadurch untersagt. Personen und Unternehmen auch aus Drittländern werden bestraft, wenn sie die Blockade brechen. Politiker, Unternehmer und Kirchenleute in den Vereinigten Staaten halten das Embargo für das "härteste auf der Welt". EU-Präsident Santer protestierte im Dezember erneut dagegen. Wenige Wochen zuvor hatten die Vereinten Nationen das Embargo bereits zum sechsten Mal abgelehnt - gegen die Stimmen der USA, Israels und Usbekistans.

Die Blockade wurde von den Vereinigten Staaten 1960 verhängt, nachdem die kubanische Revolutionsregierung Grund und Boden verstaatlicht und ausländisches Vermögen enteignet hatte. Es ist ein offenes Geheimnis, daß zu Zeiten des korrupten Diktators Batista nicht nur ehrlich erworbenes Kapital nach Kuba floß, sondern auch Mafiageld.

Durch die Bindung Kubas an die Sowjetunion konnten die Auswirkungen der Blockade dreißig Jahre lang kompensiert werden. Dann passierte etwas, das den Hardlinern in Washington und Miami, aber auch jenen in Havanna höchst willkommen schien: Ende Februar 1996 schoß die kubanische Luftwaffe - auf höchsten Befehl - zwei Kleinflugzeuge der exilkubanischen Organisation Hermanos al rescate (Brüder zur Rettung) über angeblich kubanischem Luftraum ab die vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Bereits einen Monat später trat das Helms-Burton-Gesetz in den USA in Kraft, benannt nach dem republikanischen Abgeordneten Jesse Helms und seinem demokratischen Kollegen Dan Burton. Dadurch verschärfte sich die US-amerikanische Blokkadepolitik gegenüber dem Iran, Irak und Libyen und vor allem gegenüber Kuba.

Das Gesetz verkörpert eine neue Qualität amerikanischer Großmachtpolitik.

Zuvor bestimmte die Exekutive über die einzelnen Sanktionen, nun haben sie Gesetzescharakter. Besonders brisant sind die Kapitel lll und IV des Gesetzes. Darin ist die exterritoriale Ausweitung der Sanktionen auf Drittländer und internationale Finanzorganisationen festgeschrieben. Mit anderen Worten: Amerikanisches Recht bricht internationales Recht und schränkt die staatliche Souveränität anderer Länder ein. Allein der Präsident der Vereinigten Staaten kann die angedrohten Strafmaßnahmen halbjährlich aussetzen, was er regelmäßig getan hat.