Flugreisende, die mit Lufthansa ab Frankfurt ins Ausland starten und mit der Bahn anreisen, können ihr Gepäck schon bald auf einigen Bahnhöfen am Vorabend aufgeben. Damit könnte sich die Verlagerung des innerdeutschen Luftverkehrs auf die Schiene beschleunigen.

Gemeinsam mit Lufthansa will die Deutsche Bahn eine Lücke schließen, die viele Passagiere bisher davon abhielt, mit der Bahn zum Flughafen Rhein/Main anzureisen. Demnächst können sie bereits am Vorabend des Abflugtages bis 20.30 Uhr im Bahnhof ihre Koffer einchecken. Nach einer Testphase auf einigen ausgewählten Bahnhöfen soll der neue Service noch im Laufe dieses Jahres zügig auf mehr als einem Dutzend weiterer Bahnhöfe angeboten werden.

In der Anfangsphase werden nur Lufthansas Auslandspassagiere von diesem Service profitieren. Später soll der neue Dienst aber auch der Lufthansa-Konkurrenz offenstehen.

Für einen Erfolg dieses Modells spricht, daß alle Beteiligten davon profitieren: Den Kunden erleichtert es die Anreise, die Bahn steigert die Auslastung ihrer Züge. Bei großem Zuspruch könnte Lufthansa verlustreiche Zubringerflüge nach Frankfurt reduzieren und die frei werdenden Slots für Verbindungen im Fernflugverkehr vergeben.

Eine Alternative stellt das neue Angebot spätestens von 1999 an dar, wenn unter dem Frankfurter Flughafen der neue Fernbahnhof eröffnet wird. Die überwiegende Zahl der Intercitys wird dann direkt am Airport haltmachen. Mit der Aufnahme der Neubaustrecke von Köln nach Frankfurt im Jahr 2001 verkürzt sich außerdem die Reisezeit innerhalb des Ballungsraums Rhein/ Ruhr um rund 75 Minuten.

Dank des bestehenden ICE-Netzes ist die Bahn - was die Reisezeit zwischen den Zentren großer Städte betrifft - gegenüber dem Flugzeug schon heute nicht mehr oder kaum langsamer. Die schnelleren Bahnverbindungen führten, so ergibt eine Luftverkehrsstudie des Fachautors Hans-Georg Ungefug, im Zeitraum von 1990 bis 1996 zu einem "deutlichen Verlagerungseffekt vom Flug zum Zug". Auf achtzehn Strecken, auf denen die Bahn in Wettbewerb mit dem Flugzeug steht, ging das innerdeutsche Flugaufkommen um zehn Prozent zurück. Auf Routen mit einer Bahnreisezeit bis zu drei Stunden verlor der Linienluftverkehr sogar mehr als 44 Prozent der Passagiere. Die Fahrgastzahlen der Bahn stiegen parallel dazu, beispielsweise zwischen Hannover und Frankfurt oder Berlin und Hamburg, um fast die Hälfte.

Das Ziel des neuen Bahnchefs Johannes Ludewig ist die völlige Übernahme des innerdeutschen Personenverkehrs mit Hilfe eines Hochgeschwindigkeitsnetzes, das fast alle wichtigen Städte binnen drei Stunden miteinander verbindet.