Frauen sind anders. Frauen wollen in Gelddingen geduldig beraten werden, Frauen brauchen speziell zugeschnittene Geldanlagen und Fach-Frauen, bei denen sie sich gründlich informieren können. Weil man sich unter Frauen ganz einfach besser versteht.

Dieses Klischee ist gar keines. Viele "Finanzberaterinnen für Frauen" leben genau davon. "Wir können uns besser in unsere weiblichen Kunden hineindenken als männliche Kollegen", behauptet Heide Härtel-Herrmann vom Frauenfinanzdienst in Köln. Sie ist eines von neun Mitgliedern im "Arbeitskreis Versicherungs- und Finanzexpertinnen für Frauen bundesweit".

Zusammen haben sie rund 20 000 Kunden - alles Frauen, versteht sich.

"Wenn eine Frau zum ersten Mal zu mir kommt, geht es häufig zuerst um Persönliches", sagt Härtel-Herrmann. Denn viele kümmerten sich erst nach Scheidung oder Tod des Partners um ihre Finanzen. In diesem ersten Gespräch, das bei den Frauen aus dem Arbeitskreis zwischen 100 und 150 Mark kostet, entwirft sie ein grobes Anlagegerüst für ihre Kundinnen - meist ohne bereits konkrete Produkte anzubieten. "Wichtig bei Frauen ist: auf keinen Fall Druck ausüben, ganz behutsam vorgehen", sagt Härtel-Herrmann.

Auch wenn es im zweiten Gespräch um konkrete Anlagen geht, bleiben ihre Kundinnen emotional: "Viele hätten es am liebsten, wenn sie mit ihrem Geld nicht nur verdienen, sondern auch Gutes tun." Besonders beliebt seien deswegen ethische oder ökologische Geldanlagen. Helma Sick, Finanzberaterin in München und Autorin des Ratgebers "frau & geld", rät aber zur Vorsicht: "Einfache Einlagen bei der GLS-Bank oder bei der Ökobank liegen in der Regel unter dem Marktzins." Wer Ökoprojekte finanziert, sieht sein Geld im Extremfall gar nicht wieder, weil dort bisweilen Idealisten ohne Finanzwissen am Werke sind.

Zwei ökologische Investmentfonds empfehlen Sick und Härtel-Herrmann dagegen mit gutem Gewissen. Ökovision, aufgelegt von der Ökobank in Frankfurt, kauft Aktien von Unternehmen, die umweltfreundlich produzieren, besonders "humane Arbeitsbedingungen schaffen und/oder eine demokratische Unternehmensstruktur haben". Ähnlich ist das Konzept des Oekosar der Bank Sarasin & Cie in Hamburg. Der Wertzuwachs dieser Fonds blieb im vorigen Jahr jedoch mit rund zwanzig Prozent deutlich hinter den Ergebnissen der besten Investmentfonds zurück, die mehr als das Doppelte herausholten.

Geldanlagen ausschließlich für Frauen gibt es nur wenige. Macht ja auch keinen Sinn. Mann und Frau wollen beide von ihrer Geldanlage vor allem eines: daß es eine Geldvermehrung ist. Die Ausnahme: Altersvorsorge. Hier haben die Geschlechter mitunter doch verschiedene Ansprüche. Viele Frauen haben einen vergleichsweise turbulenten Lebenslauf: Erwerbsleben wechselt sich mit Mutterschaft ab, Vollzeit mit Teilzeit. Für eine sichere, planbare Rente, und darum geht es den meisten Frauen, ist das nicht gerade ideal.