London

Im neuen James-Bond-Film ist der Bösewicht ein Medienmogul. Er beabsichtigt, China und Großbritannien in einen Krieg zu verwickeln, um das Publikum mit hartem Reality TV an sein neues Satellitenfernsehen zu fesseln. Der Medienzar im wahren Leben, Rupert Murdoch, wollte jedoch in den vergangenen Jahren nichts sehnlicher als Frieden mit den Chinesen. Denn wer im Reich der Mitte den Medienmarkt erobert, wird im nächsten Jahrtausend Herrscher über Kanäle und Informationen. Murdoch ist seinem Ziel einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Die Machthaber in Peking belohnten seinen Dauerkotau mit einer Sendelizenz für sein asiatisches Satellitenfernsehen Star TV.

Aber damit ist Murdochs Hunger längst nicht gestillt. "Rupert will die Welt beherrschen", sagt einer seiner Konkurrenten aus der illustren Schar von Medientycoons. Das ist nicht ironisch gemeint. Im Global Village weltumspannender Fernsehnetze hat Murdoch, "die aggressivste Kraft des Medienzeitalters", inzwischen so viel Macht, daß demokratischen Politikern unbehaglich zumute sein müßte. Zum Beispiel in Großbritannien.

Dort nennt der 67jährige Australier rund vierzig Prozent aller verkauften Zeitungen sein eigen. Sein Satelliten-TV BSkyB besitzt ein völlig unangefochtenes Marktmonopol. Schon bald wird sich Murdoch auf der Insel zum "digitalen Diktator" aufschwingen. Mit feinem Gespür für technologische und soziale Trends sicherte sich der Konzernchef rechtzeitig die Decodertechnik und kontrolliert damit den Zugang zum digitalen Fernsehen der Zukunft. Immer wieder appellieren liberale Kommentatoren an die Labour-Regierung, Murdoch endlich aufzuhalten.

Doch Widerspruch erfährt der Herrscher über ein weltumspannendes Imperium der Fernsehketten, Zeitungen, Filmstudios und Verlage nur aus Brüssel. Die Europäische Kommission stößt sich an der strategischen Allianz zwischen Murdoch und British Telecom. Im Namen von Wettbewerb und Verbraucherinteressen will sie BSkyB und BT die digitale Zusammenarbeit untersagen. Die Brüsseler Sorge steht im scharfen Kontrast zur vorsichtigen Gangart der Londoner Regierung. Nichts, so scheint es, soll die Harmonie zwischen Premier und Medienmogul trüben.

Vergessen sind die Versprechen von Labour-Politikern, man werde Murdoch bremsen. Jetzt unterbindet man nicht einmal den gnadenlosen Preiskrieg, mit dem Murdoch seine publizistische Dominanz weiter ausbaut; die Auflage der Times schnellte binnen drei Jahren um 400 000 Exemplare hoch. Die Konkurrenz kann da nicht mithalten; ihr fehlt das viele Geld eines transnationalen Konzerns. So geschickt hat Murdoch sein Imperium aufgebaut, daß er weltweit etwa neun Prozent Steuern zahlt.

Einen wie Murdoch hatte der amerikanische Historiker Christopher Lasch vor Augen, als er vor der Macht einer neuen globalen Elite warnte: wurzellos, ohne Bindung an Region oder Nation, eine Gefahr für Demokratie und zivile Gesellschaft.