Aus der Bonner Politik kennt man sie, die "Di-Mi-Do-Minister". Dienstag, Mittwoch und Donnerstag versehen sie ihr Amt am Rhein, das lange Wochenende verbringen sie zum Beispiel an der Isar, um in ihrer Partei nach dem Rechten zu sehen. Die "Di-Mi-Do-Professoren" sind dagegen vor allem eine ostdeutsche Erscheinung. Dabei handelt es sich um besonders mobile Ordinarien, die ihre Pflichtveranstaltungen auf zwei, drei Wochentage konzentrieren und dann schnell das Weite suchen - Richtung Westen, zu Heim, Frau und Kindern. Daß sie sich auch während der Semesterferien nicht in ihrem Büro an der Universität blicken lassen, versteht sich von selbst.

Zwar gibt es auch in Westdeutschland diesen Pendelverkehr zwischen Wohn- und Hochschulort. Die Universität Siegen etwa gilt als Pendleruni schlechthin. Aber was im Westen doch eher die Ausnahme ist, wird an den Hochschulen der neuen Bundesländer zum Alltag. "Es gibt zweifelsfrei den Typ des Reiseprofessors", bestätigt Achim Mehlhorn, Rektor der Technischen Universität Dresden. Zweifelsfrei ist auch: Der typische Reiseprofessor ist ein Professor aus dem Westen.

Der Sachse Mehlhorn beziffert für seine Hochschule den Anteil der neuen Reisekader auf etwa zwanzig Prozent der Professorenschaft. Eine eher bescheidene Quote, die durch den vergleichsweise geringen Anteil der Westimporte (vierzig Prozent, Tendenz steigend) an den 500 Professoren des Hauses zu erklären ist. Aber solche niedrigen Quoten gelten nur für überwiegend technische Fakultäten. Die nach der Wende abgewickelten juristischen oder wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten dagegen sind landauf, landab Wessidomänen. Und das bedeutet fast automatisch einen hohen Pendleranteil.

Die 1991 wiedergegründete Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder ist mit den Fakultäten Rechts-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Einst studierten hier Heinrich von Kleist, die Brüder Humboldt und Ulrich von Hutten, heute soll sie eine Brücke zum benachbarten Polen und darüber hinaus schlagen. Das geht an sich nicht ohne eine starke Präsenz der Universität auch im öffentlichen Leben. Am Ort selbst überwiegt indes der Eindruck, daß die Professoren bevorzugt in Berlin wohnen und die Studenten in SIubice auf der polnischen Seite der Oder.

Matthias Pechstein lehrt hier seit bald drei Jahren Öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät, die ausschließlich mit Westprofessoren besetzt ist. "Von den vierzehn Kollegen leben acht vor Ort", berichtet er. Einer pendelt zum Beispiel nach Heidelberg und ist vier Tage in der Woche in Frankfurt; die Familie war nicht zum Umzug zu bewegen. Ein anderer hat seinen Lebensmittelpunkt in Hannover; seine Frau wollte ihren Posten als Regierungsdirektorin nicht aufgeben. Pechstein selber ist drei Tage in der Woche präsent, fährt aber regelmäßig abends nach Berlin - auch bei Nacht und Nebel, wie er versichert.

Jürgen Bolten hat sein Berufs- und Privatleben anders organisiert. Er ist vor gut fünf Jahren mit der ganzen Familie von Düsseldorf nach Jena gezogen, wo er an der Friedrich-Schiller-Universität das Fach Interkulturelle Wirtschaftskommunikation vertritt. Er hat sein Institut von Anfang an mitgestaltet und ist in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ausschließlich von Professoren aus Westdeutschland umringt. Nach seiner Beobachtung haben sich vor allem die über Fünfzigjährigen fest niedergelassen, während die Jüngeren häufig westwärts pendeln.

Da in Jena die Universität größter Arbeitgeber ist und traditionell eine enge Verbindung mit der Stadt besteht, sind die Professoren aufgefordert, auch am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das äußert sich zum Beispiel in einer jedermann zugänglichen Vortragsreihe, bei der sich Hochschullehrer um eine allgemeinverständliche Darstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeit bemühen.