Turbulenter hätte es nicht zugehen können. Doch in der allgemeinen Telekonfusion gelang es vor allem zwei Unternehmen beim Start in den Wettbewerb, sich vom Pulk der restlichen Anbieter abzusetzen: ArcorundMobilCom. Ihre Nummern für den Netzzugang (01070 und 01019) sind zwar ebensolang wie die aller anderen Konkurrenten auf dem jungen Telephonmarkt. Allerdings bieten die beiden Unternehmen bislang als einzige die Möglichkeit, ihr Angebot ohne Formalitäten auszuprobieren. Beim sogenannten call by call-Verfahren können experimentierfreudige Kunden von Fall zu Fall die Dienste der beiden Unternehmen nutzen, ohne sich - wie bei den Wettbewerbern - zuvor registrieren zu lassen oder sich gar endgültig festlegen zu müssen. Die neue Freiheit wissen viele zu schätzen.

Allerdings verzichten Arcor und MobilCom bei dieser Art des Telephonierens auf den direkten Kontakt zum Kunden. Sogar die Gebührenabrechnung überlassen sie der Telekom. Und so werden sich die Rivalen demnächst wohl öfter näherkommen - vereint auf einer Rechnung aus dem Hause des Exmonopolisten. Doch mehr als das haben sie nicht gemein. Ganz im Gegenteil: Ihre Strategien könnten unterschiedlicher nicht sein.

Ginge es in diesem Geschäft allein nach Größe, müßte Arcor schon bald die Nase vorn haben. Der Konzern beschäftigt rund 7300 Mitarbeiter und will bis zum Jahre 2001 die stattliche Summe von rund vier Milliarden Mark in ein eigenes Fernmeldenetz investieren. MobilCom hingegen ging laut Firmengründer Gerhard Schmid mit nur fünfzig Leuten und acht Rechnern ins Rennen. Dafür investierte er bislang nur 25 Millionen Mark. Ein eigenes Netz baut er nicht. Die nötigen Leitungen mietet er von der Telekom. Der Vorteil: Ohne allzu riskante finanzielle Vorleistungen kann Schmid Zug um Zug expandieren.

Allerdings bedeutet das für den umtriebigen Macher auch, ganz und gar auf den Fernmelderiesen angewiesen zu sein. Schon ist zwischen den beiden ein heftiger Streit entbrannt. Nach einem unerwarteten Ansturm beschuldigte Schmid die Telekom, zuwenig Kapazitäten zu liefern. Die kontert damit, daß er seine Wünsche zu spät angemeldet habe. Viele Kunden müssen sich derweil mit dem Besetztzeichen begnügen, wollen sie mit MobilCom telephonieren. Doch so schnell gibt Schmid nicht auf.

Er gilt als Enfant terrible der Branche. Als 1991 das Monopol beim Mobilfunk fiel, ließ er sich schon damals diese Chance nicht entgehen. Heute gehört er zu den erfolgreichen Diensteanbietern in dem boomenden Geschäft. Dort beschäftigt er bereits rund 220 Mitarbeiter. Auch ungefragt läßt er den Rest der Welt gerne wissen, daß "nichts faszinierender ist, als Unternehmer zu sein". Er ist Hauptaktionär bei MobilCom; im März vergangenen Jahres wagte er den Sprung an die Börse.

Die komplizierte Tarifstruktur der Telekom ärgert ihn ganz besonders: "Ohne Abitur geht nichts, wenn Sie die begreifen wollen." Er ist angetreten, um für die Kunden alles besser zu machen. Daß seinen Worten keine Taten folgen, kann man ihm nicht vorwerfen. Mit neunzehn Pfennig pro Gesprächsminute innerhalb Deutschlands startete er nicht nur mit einem der preisgünstigsten Angebote im Festnetz, sondern auch mit dem simpelsten Tarif - vorerst als Lockangebot im Januar. Arcor und anderen Rivalen, die mit viel Kapital eigene Leitungen verlegen, prophezeit er: "Die werden Milliarden versenken." Denn sie bauten nur auf, was die Telekom ohnehin schon habe.

Dabei verschweigt er freilich, daß seine großen Konkurrenten eine ganz andere Strategie verfolgen. Sie wollen nicht nur wie Schmid auf recht simple Weise Telephonate vermitteln, sondern der Telekom rundum Paroli bieten. Und das bedeutet, auch professionellen Kunden aus der Wirtschaft komplexe Sprach- und Datendienste zu offerieren und sich auf ausländischen Märkten zu behaupten. Arcor gilt als einer der ambitioniertesten Anbieter in den Reihen dieser Vollsortimenter.