In der Diskussion der letzten Tage zur Schwangerschaftskonfliktberatung war von zahlreichen Politikern, engagierten Christen, aber auch von der Kirche fernstehenden Bürgern ein Aufruf zu hören: Die deutschen katholischen Bischöfe sollten sich auf keinen Fall dem zu erwartenden ablehnenden Votum des Papstes beugen, sondern an dem bisherigen Beratungssystem festhalten.

Denn gerade dank solcher Beratung würden viele Frauen von einem geplanten Abbruch ihrer Schwangerschaft absehen. Einige katholische Theologen riefen im Fernsehen die Bischöfe sogar zum Ungehorsam gegenüber Rom auf.

Andere Christen werteten dies wiederum als Aufwiegelung, sprachen von Untreue gegenüber Rom die Einheit der Kirche stände auf dem Spiel, die Kirche stehe vor einer Zerreißprobe, ja, vor einer möglichen Spaltung.

Anfang dieser Woche haben die deutschen Bischöfe - allerdings erst nach einer längeren und äußerst schwierigen Diskussion - einstimmig der Bitte des Papstes entsprochen, die Beratung zwar fortzuführen, aber in Bälde die staatlich geforderte Bescheinigung über die erfolgte Beratung nicht mehr auszustellen, weil diese die Voraussetzung für einen straffreien Abbruch einer Schwangerschaft bilde. Ein Konflikt innerhalb der Bischofskonferenz oder gar eine gefürchtete Spaltung zwischen deutscher Bischofskonferenz und Rom wurde damit vermieden. Die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst ist gewahrt. Rom hat gesiegt - durch einen Pyrrhussieg? War eine solche Stellungnahme des Vatikans wirklich notwendig, war sie der einzig mögliche Weg? Dient sie der Glaubwürdigkeit der Kirche?

In dieser Frage wäre eine Entscheidung der Bischöfe gegen Rom durchaus möglich und erlaubt gewesen. Selbst wenn jene Bischöfe, denen die Sorge für eine Teilkirche anvertraut wurde, unter der Autorität des Papstes stehen, sind sie nicht lediglich bloße Vollzugsorgane des Bischofs von Rom.

Denn den Bischöfen kommt eine eigenständige Leitungsfunktion zu. Die jeweilige Ortskirche ist kein Unterbezirk der Universalkirche, ebenso wie die Universalkirche kein nachträglicher Zusammenschluß von Ortskirchen ist. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die eigenständige Stellung der Bischöfe ausdrücklich unterstrichen: "Die Bischöfe leiten die ihnen zugewiesenen Teilkirchen als Stellvertreter und Gesandte Christi." Vor allem wird betont: "Sie dürfen nicht als Vertreter der römischen Bischöfe aufgefaßt werden, weil sie eine ihnen eigene Gewalt innehaben." Die Gewalt, die sie im Namen Christi persönlich ausüben, kommt ihnen als "eigene, ordentliche und unmittelbare Gewalt" zu (LG Art. 27).

Die Spannung zwischen Papst und Bischöfen ist nicht neu