Jaroslav Hasek ließ einst seinen braven Soldaten Schwejk von dessen Aufenthalt in der Psychiatrie schwärmen: "Wie ich sag, sehr hübsch war's dort, und die paar Tage, die ich im Irrenhaus verbracht hab, gehören zu den schönsten meines Lebens ... Jeder hat dort sprechen können, was er gewollt hat und was ihm grad auf die Zunge gekommen ist, wie wenn er im Parlament wär."

Daß auf Urteile des Schwejk bis heute Verlaß ist, demonstrierten die tschechischen Parlamentarier vergangene Woche im illustren Spanischen Saal auf dem Hradschin. Hier wurde vor genau dreißig Jahren Geschichte geschrieben, als die Prager Reformkommunisten den dogmatischen Parteichef Antonøn Novotnì ablösten und Alexander Dubcek wählten. Die Geschichte des Prager Frühlings 1968 endete bekanntlich als Tragödie. Jetzt wiederholt sie sich als Farce.

Die tschechischen Abgeordneten beider Kammern wählten den Präsidenten neu.

Zwei Kandidaten standen und ein Kandidat saß zur Auswahl - letzterer im Gefängnis. Das war der wegen Volksverhetzung festgenommene "Republikaner" Miroslav Sládek. Gegen ihn kandidierten der dogmatische Kommunist Stanislav Fiser und der bisherige Präsident. Václav Havel hatte nur die Weltmeinung hinter sich und dazu siebzig Prozent der tschechischen Bürger - jedoch nicht mehr als die Hälfte der derzeitigen tschechischen Volksvertreter. Die Allianz aus Rechtsradikalen, Altkommunisten und der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) des kürzlich über sich selbst gestürzten Regierungschefs Václav Klaus zeigte Havel, wo es langgeht - vom Spanischen Saal direkt in Schwejks Irrenhaus.

Im ersten Wahlgang fiel der bisherige Präsident durch. Und der Rechtsextremist im Gefängnis bekam mehr Stimmen, als seine Republikaner-Fraktion an Abgeordneten besitzt. Im zweiten Wahlgang schaffte es Havel mit gerade einer Stimme Mehrheit der Abgeordnetenkammer. Und mit Zeter und Mordio der "Allianz".

Als der rechtsradikale Abgeordnete Jan Vik auch dann noch seinen verbalen Unrat über den alten und neuen Präsidenten ausschüttete, gellte plötzlich ein schriller Pfiff durch das lüsterbehangene, rudolfinische Ambiente. Wer hatte es gewagt, die historische Stätte derart zu entweihen? Entsetzen rundum: Nicht der Butler - die First Lady war's! Dagmar Havlová-Veskrnová hatte zwei Finger an die Lippen geführt und das unwürdige Spektakel schrill abgepfiffen.

Eine nicht ganz unparteiliche, aber unbedingt treffsichere Entscheidung.